Kinoptikum Landshut
ELLE frz. O.m.U.
 So 09.04. 
 Mo 10.04. 
 Di 11.04. 
21:00
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18:30
Paul Verhoevens „Elle“ ist ein brillant-abgründiges, progressives Spiel mit den Regeln des Thriller-Genres, der Rolle der Frau und dem guten Geschmack – anspruchsvoll, nie vorhersehbar und bis zur Schmerzgrenze politisch unkorrekt. Der ebenso intelligente wie abgefahrene Rape-&-Revenge-Arthouse-Film begeistert nicht nur durch seine provokant-progressive, elegant-verspielte Art, sondern vor allem auch mit einer – mal wieder – alles überragenden Isabelle Huppert, die hier eine der faszinierendsten und überraschendsten Frauenfiguren der Thriller-Geschichte auf die Leinwand zaubert. Michelle wird in ihrer Villa von einem Einbrecher mit Skimaske vergewaltigt, aber sie wendet sich nicht an die Polizei – mit der hatte sie schon als Zehnjährige schlechte Erfahrungen gemacht, als ihr Vater eines Tages amoklaufend durch die Nachbarschaft gezogen ist. Ihrer besten Freundin und Geschäftspartnerin Anna sowie ihrem Ex-Mann Richard erzählt die wohlhabende Computerspiel-Unternehmerin bei einem Abendessen im Restaurant ganz trocken von der Sache – kein großes Ding. Es scheint fast so, als würde Michelle mit der Vergewaltigung genauso pragmatisch und schlagfertig umgehen wie mit allem anderen in ihrem Leben. Aber dann schickt ihr der Eindringling plötzlich auch noch anzügliche SMS… Elle ist kein Kriminalfilm. Wer der Mann ist, der Michèle überfallen hat, kommt sukzessive ans Licht und ist weder sonderlich überraschend noch wichtig. Viel wichtiger ist Michèles Reaktion auf ihren Vergewaltiger: Sie klagt ihn nicht an, zeigt ihn nicht an, nein: Sie nähert sich ihm. Sie setzt alles daran, um dem Akt, gegen den sie sich nicht wehren konnte, das Erniedrigende zu nehmen. Michele mag alles sein, traumatisiert und verhärtet, "ein Miststück", wie ihre Mutter sagt, eine rücksichtlose Geschäftsfrau, eine schlechte Freundin. Aber keinesfalls darf sie, weder vor anderen noch vor sich selbst, als Opfer erscheinen. Und erst in der dramatischen Zuspitzung der Dinge gegen Ende (auch im Hinblick auf Michèles noch immer im Gefängnis sitzenden Vater) zeigt sich, mit welch umfassender Berechnung hier eine Frau mit allem aufräumt, was die mühsame Balance ihrer Existenz aus dem Gleichgewicht zu bringen droht. Man darf das pathologisch nennen. Faszinierend ist es, dabei zuzusehen. Isabelle Huppert verkörpert Michelle konsequenterweise nicht als Opfer, sondern als selbstbewusste, schlagfertige, trockenhumorige, ihren (männlichen) Gegenübern nicht nur intellektuell überlegene, aber mitunter auch ganz schön abgefuckte Frau, die sich durchzusetzen weiß und sich nimmt, was sie will. Es ist eben eine der größten Stärken des Films, dass er zu keinem Zeitpunkt vorhersehbar ist – und das umschließt auch auf die erzählerischen und inszenatorischen Freiheiten, die Verhoeven sich nimmt.
Land/Jahr: 
F 2016
Regie:
Paul Verhoeven
Darsteller:
Isabelle Huppert, Laurent Lafitte
Länge:
130 Min.
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