Kinoptikum Landshut
MOONLIGHT  Black Power O.m.U.
 Di 02.05. 
 Mi 03.05. 
 Do 04.05. 
21:00
18:30
21:00
Chiron wächst im Armenviertel in Miami auf. Als Junge findet er Zuneigung eher beim örtlichen Drogenboss und dessen Frau als zuhause bei seiner Crack-süchtigen Mutter. In der Pubertät erlebt er mit seinem Jugendfreund Kevin eine unge-kannte körperliche Intimität. Jahre später ist Chiron ins kriminelle Milieu abgerutscht. Seine mühsam antrainierten Muskeln trägt er wie einen Panzer vor sich her, unter dem er nicht nur seine Homosexualität sondern auch sämtliche Gefühle versteckt. Bis sich eines Tages Kevin wieder bei ihm meldet… Der Crackdealer mit einem Herzen aus Gold – was im ersten Moment nach einem groben Klischee klingt, wird vor allem dank Mahershala Ali zu einem konsequent ambivalenten und zugleich unendlich zärtlichen (Freundschafts-)Porträt: Besonders eine (Tauf-)Szene im Meer entpuppt sich als pure Kinopoesie. Ohnehin ist das gesamte erste Kapitel durchzogen von solchen kleinen Momenten der Hoffnung. Auch das ei-gentliche Thema von „Moonlight“, nämlich das Verhandeln von Männlichkeit als Schwarzer, als Schwuler, als von der Gesellschaft Vergessener, wird in der ersten Passage zumindest schon angedeutet. Nachdem der kleine Junge mit dem ständig hängenden Kopf und der so verloren wirkende, schlaksige Teenager noch klassische Sympathieträger waren, hat sich Chiron im letzten Kapitel zu einem wandelnden Gangsta-Klischee aufgepumpt – muskelbepackt mit Goldkettchen und Goldgrills. Aber wie Jenkins dann alle Erwartungen konsequent unterläuft, ist einfach nur brillant: Bei einem „Date“ mit seinem Schulfreund Kevin blättert immer mehr von der Gangster-Fassade ab und es wird immer deutlicher, dass Chiron dieses neue Leben nur aus Selbstschutz führt, weil alle Versuche, er selbst zu sein, vorher so krachend gescheitert sind. Eine schmerzlich-berührende Erkenntnis, die in „Moonlight“ mit genau der richtigen Mischung aus harter Ehrlichkeit und zärtlicher Hoffnung präsentiert wird. Man hätte dieselbe Geschichte sicherlich auch leicht als trockenen Problemfilm in-szenieren können – doch dank der häufig an der Grenze zur Überinszenierung vorbei-schrammenden, aber dann doch fast immer auf der richtigen Seite landenden Regie entwickelt sich „Moonlight“ zu einem regelrechten Kinogedicht: Schon die erste Szene, in der Juan eigentlich nur etwas mit einem seiner Straßendealer bespricht, erinnert durch die elegant zwischen den Figuren herumwirbelnde Kamera viel eher an ein Leinwandballett als an naturalistisches Sozialkino. Klassische Streichermusik, ausgeblendetes Geschrei, das flackernde Licht von Badezimmerspiegeln und Polizeisirenen, eine grobkörnige (Retro-) Farbpalette – „Moonlight“ mag mit knappen finanziellen Mitteln entstanden sein, aber Barry Jenkins‘ Stilwillen kennt keine Grenzen. Er geht in-szenatorisch in die Vollen, ohne dass er dabei je die intime Qualität seines berüh-renden Außenseiterporträts aufs Spiel set-zen würde. (filmstarts.de)
Land/Jahr: 
USA 2016
Regie:
Barry Jenkins
Darsteller:
Mahershala Ali, Naomie Harris, Ashton Sanders
Länge:
111 Min.
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