Kinoptikum Landshut
Farewell, my Lovely - FAHR ZUR HÖLLE, LIEBLING  Die Zelluloid-Kinemathek
 Fr 07.07. 
 Sa 08.07. 
21:00
21:00
Der Privatdetektiv Philip Marlowe (Robert Mitchum) wird von dem bulligen Ex-Knacki Moose Malloy beauftragt, sein Mädchen, eine gewisse Velma, ausfindig zu machen. Nachdem Marlowe etwas im Trüben gestochert und eine katatonische Klappsmühleninsassin gefunden hat, glaubt er den Fall bereits abgeschlossen. Da bittet ihn der zwielichtige Marriott, ihn bei der Übergabe einer kostbaren Jadekette zu eskortieren, was mit einem gezielten Nackenschlag für Marlowe endet - nicht dem letzten, denn Malloy ist mit Marlowes Entdeckung keinesfalls zufrieden und die verruchte Richtersgattin Helen Grayle (grandios: Charlotte Rampling) spielt auch keine unwesentliche Rolle in dem immer undurchsichtiger werdenden Dickicht aus Lügen und falschen Fährten... Die späteren Siebziger hielten neben einigen anderen schönen Rollen auch zwei besondere Bonbons für Robert Mitchum (1917-1997) bereit: Er durfte den klassischen L.A.-Detektiv Philip Marlowe in zwei Neuverfilmungen von ursprünglich bereits in den Vierzigern adaptierten Chandler-Romanen interpretieren. "Farewell, My Lovely" von dem leider grob unterschätzten Dick Richards wurde dabei zu einem der schönsten unter den vielen period pieces der New-Hollywood-Ära. Richards' Film hält en gros sämtliche Stärken bereit, die ein hard-bolied Detektiv-Krimi benötigt: Eine Großstadt, die in nachtschwarzer Kriminalität, moralischer Verworfenheit und Korruption zu ersaufen droht, ein herrlich kunterbuntes Figureninventar, eine schön unübersichtliche Story mit diversen Irrläufern und Sackgassen - eine stilvolle Wiederkehr des klassischen Film Noir: Tag ist im Prinzip nie und die Nachtschattengewächse von L.A. wuchern kreuz und quer durch die Leuchtreklamen der Vorstädte und Einwandererviertel. Doch wenn die Kamera genauer hinschaut, wenn ein matter Sonnenstrahl die Szenerie erleuchtet, dann wirkt alles welk, erzählt der Film nicht vom Werden sondern vom Vergehen. Im Zentrum ein Robert Mitchum, dessen Schaffenszenit faktisch seine gesamte Karriere hindurch anhielt. Im Gegensatz zu vielen anderen Stars der goldenen Ära, die ihr Renommee wahlweise im Suff ertränkten, in billigen italienischen Exploitern oder schwachbrüstigen Katsatrophenfilmen ihren letzten Hafen fanden, blieb Mitchum stets 'state of the art', ließ sich auf New Hollywood ein und blieb ein Monster der wahren Coolness. "Farewell, My Lovely", dessen Script ihm einige köstliche Oneliner in den Mund legt, ist dafür ein wunderbarer Beleg. Wenn Marlowe aus dem Off seine Geschichte im Rückblick erzählt, begleitet von dem balladesken Jazz-Soundtrack David Shires, stylischen Sets und einer beeindruckenden Kameraführung, dann prickelt vor Freude die Gänsehaut. (RH)
Land/Jahr: 
USA 1975
Regie:
Dick Richards
Buch:
Raymond Chandler
Darsteller:
Robert Mitchum, Charlotte Rampling, John Ireland, Sylvester Stallone
Länge:
95 Min.
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