Kinoptikum Landshut
SELBSTKRITIK EINES BÜRGERLICHEN HUNDES  Für Poldi
 Di 18.07. 
 Mi 19.07. 
 Mi 19.07. 
21:00
18:30
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Was uns Regisseur Julian Radlmaier und sein zauderndes Leinwand-Alter-Ego in Turnschuhen hier präsentieren, ist eine ebenso spielerische wie verkopfte Annäherung an die Möglichkeit einer Utopie im Kino. Ein komplett überladenes, tief in die Film- und Ideengeschichte hinabtauchendes Bild-, Ton- und Dialogsammelsurium, aber zugleich auch ein reicher, frischer, furchtloser und verdammt amüsanter Film über Kunst und Politik und Liebe. Julian (Julian Radlmaier) kommt frisch von der Filmhochschule und hat trotzdem schon keine Flausen mehr im Kopf: Den Kapitalismus, da ist sich der Möchtegern-Kommunist sicher, kann man nicht überwinden. Denn dafür ist der viel zu komplex geworden! Und das ist vor allem auch deswegen blöd, weil Julian, dieser bürgerliche Windhund, als echter Aktivist viel bessere Chancen bei Camille hätte. Ohne Lösung fürs Dilemma und vor allem ohne genug Geld in der Tasche nimmt der Jungregisseur Arbeit auf einer Apfelplantage im Havelland an. Dort trifft er auf Sancho und Hong, die ihre Museumsjobs verloren haben, nachdem dort während ihrer Schicht „ein Dürer und ein Feuerlöscher“ gestohlen wurden. Beim körperlich erschöpfenden Obstpflücken erleben sie den Turbo-Kapitalismus in Reinkultur, da kann auch schon mal eine SMS vom Aufsichtsrat direkt zu höheren Arbeitsmengen führen, wobei die Bosse und ihre Handlanger grundsätzlich nicht klein- beziehungsweise totzukriegen sind. Da sind Julian und seine neuen Freunde froh, wenn der weise Idiot in Mönchskutte, der auf einmal auf der Plantage auftaucht, ihnen in Franz-von-Assisi-Manier mitteilt, dass die Vögel ihm von einem „Kommunismus ohne Kommunisten“ in Italien berichtet hätten… Der Plot selbst ist hier zweitrangig. Die anspielungsreiche Erzählweise und die Inszenierung laden immer wieder dazu ein, eigene Assoziationsketten zu knüpfen: Die führen dann etwa von Donald Duck zu „Anna Karenina“ oder von Roberto Rossellini und Yasujiro Ozu über Woody Allen zu Laurel und Hardy. Poetische Bilder von Wolken wechseln sich mit slapstickartigen Apfel-Diebstahl-Szenen und mit proletarischen Parolen ab. Radlmaier erzählt einerseits von der Komplexität der Welt und von der Rat- und Orientierungslosigkeit, die diese hervorrufen kann. Andererseits ist sein Glaube an die Macht von Märchen und Erzählungen intakt und sein Medium dazu ist das Kino, das er benutzt wie ein unerschöpflich vielseitiges Spielzeug. (filmstarts)
Land/Jahr: 
D 2016
Regie:
Julian Radlmair
Darsteller:
J. Radlmair, Deragh Campbell
Länge:
99 Min.
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