Kinoptikum Landshut
THE PARTY O.m.U.
 Di 12.09. 
 Di 12.09. 
 Mi 13.09. 
 Mi 13.09. 
 Do 14.09. 
18:30
21:00
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21:00
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Um ihre Ernennung zur Gesundheitsministerin im Schattenkabinett zu feiern, lädt die ehrgeizige Politikerin Janet enge Freunde und Mitstreiter in ihr Londoner Stadthaus. Als ihr Ehemann Bill mit einem brisanten Geständnis herausplatzt, nimmt die Party eine überraschende Wendung. Plötzlich offenbaren auch die anderen Gäste lang gehütete Geheimnisse, woraufhin Beziehungen, Freundschaften, politische Überzeugungen und Lebensentwürfe in Frage gestellt werden. Innerhalb kürzester Zeit kippt die kultivierte Atmosphäre in ein emotionales Chaos aus gegenseitigen Anschuldigungen. Während im Ofen die Häppchen verbrennen, fliegen im Wohnzimmer die Fetzen wie die Whiskeygläser und die Party steuert unaufhaltsam auf den großen Knall zu. Mit sichtlichem Vergnügen sprengt Sally Potter in ihrer temporeichen Komödie eine linksliberale Partygesellschaft und beweist, dass die Wahrheit immer noch die größte Explosionskraft besitzt. Stilsicher inszeniert sie ihren brillant aufspielenden All-Star-Cast, der sich ein bissiges Wortgefecht nach dem nächsten liefert und dabei die Londoner Upper Class, Post-Post-Feministinnen und alteingesessene Linksintellektuelle genüsslich aufs Korn nimmt. "The Party“ ist ein dichtes, bitterböses Kammerspiel, das seinen Witz einzig aus dem Umgang der Figuren miteinander zieht. Es drängt sich der Vergleich mit Polanskis „Der Gott des Gemetzels“ auf, doch es gibt einen großen Unterschied: Dort wagte man kaum zu lachen, weil permanent die Eskalation dräute. Hier hat man nichts zu befürchten, weil die rasch aufeinanderfolgenden Enthüllungen ab einem gewissen Punkt ohnehin kaum mehr schlimmer werden können – nur interessanter. Wie diese Runde über das Dritte Reich, Sünde, Schulmedizin und schmutziges Geld debattiert, bevor es überhaupt richtig persönlich wird – schon das ist äußerst unterhaltsam. Die Schauspieler liefern eine großartige Ensembleleistung ab, vor allem Kristin Scott Thomas und Patricia Clarkson als alte Freundinnen Janet und April. Die eine hat sich mühsam eine Fassade zurechtgezimmert, die andere spricht einfach alles sofort aus, was ihr in den Sinn kommt; beides ist reine Selbstverteidigung. Aber nichts zu machen: Die Beziehungen der Figuren zerbröseln vor ihren und unseren Augen, und was nicht zerbröselt, wird in die Luft gejagt. Sally Potter hat bereits bewiesen, dass sie große, ernste Filme drehen kann, unter anderem mit „Orlando“ und „In stürmischen Zeiten“. Diesmal zeigte sie Mut zur Selbstbeschränkung und kürzte ihre auf neunzig Minuten angelegte Komödie um zwanzig Minuten. Ohne zu wissen, was dem Zuschauer da entgangen ist, lässt sich doch sagen: Besser siebzig so intensive Minuten als neunzig verwässerte. Obwohl interessant gewesen wäre, welche Musik Bill noch aufgelegt hätte, denn sein Plattenschrank illustriert ganz wunderbar die atmosphärischen Schwankungen. Von Bluesrock geht es über Samba zur Klassik, und als jemand nach einem Faustschlag am Boden liegt, suchen die anderen passende Musik für seine Genesung, als könnte Vivaldi Leben retten. Doch der Paukenschlag kommt zum Schluss: Die letzte von vielen Masken fällt in der letzten Sekunde. (faz)
Land/Jahr: 
GB 2017
Regie:
Sally Potter
Darsteller:
Patricia Clarkson, Bruno Ganz, Timothy Spall
Länge:
71 Min.
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