Kinoptikum Landshut
DAS DOPPELTE LOTTCHEN  KinderKino
 Sa 09.12. 
 So 17.12. 
15:30
15:30
Der Film wird gerahmt durch die Erzählstimme Erich Kästners aus dem Off, die mehrere Funktionen übernimmt. Eine davon ist die Einführung des Settings und der Protagonisten. Daneben steht der erzählerische Kommentar, der Bezug zur Gedanken- und Gefühlswelt der Kinder und Erwachsenen nimmt. Die Erwachsenenwelt wird meist mit ironischen Kommentaren versehen, wie: "Ein Glück, dass der Pepperl’ (der Hund des Hofrats) gescheiter ist als der Herr Hofrat" (dieser entdeckt das Verwechslungsspiel nämlich sofort, weil er Lottes Geruch nicht zuordnen kann). Die Innenansicht der Kinderwelt allerdings wird mit viel Gefühl und Verständnis verbalisiert. Aus dieser Gegenüberstellung entwächst ein Kontrast, der für den kindlichen Zuschauer folgende Schlussfolgerung zulässt: Die eigentlichen Dummen sind die Erwachsenen. Luise und Lotte sorgen dafür, die richtige Ordnung wieder herzustellen, indem sie Vater und Mutter einander näher bringen. Von Bakys Verfilmung zeigt eine besondere Wertschätzung kindlicher Gerissenheit, unterstützt durch den schauspielerischen Einsatz des Zwillingspaars Isa und Jutta Günther in der Rolle der Luise und Lotte. Beide entsprechen äußerlich den Beschreibungen des Kinderromans, sind brav und züchtig gekleidet, haben es aber sprichwörtlich "faustdick hinter den Ohren". Die Verkörperung des gegensätzlichen Charakters des Zwillingspaars gelingt ihnen durch den Einsatz von Stimme, Gestik und Mimik.
Kästner gilt als erster deutscher Nachkriegsautor, der offen über das Thema Scheidung schreibt. Das Thema des Films, und die Art und Weise, wie Kästner mit diesem umgeht, ist allerdings auch für die heutige Zeit relevant. Die enge Zusammenarbeit mit Kästner trägt dazu bei, dass von Bakys Film die werkgetreuste Adaption des Buches darstellt. Dies ist wenig verwunderlich, schließlich hatte Kästner Das doppelte Lottchen unter dem Titel Das große Geheimnis ursprünglich als Filmstoff entwickelt. Aufgrund eines von den Nationalsozialisten verhängten Schreibverbots musste er die weitere Arbeit für den mit von Baky geplanten Film jedoch zeitweise ruhen lassen. Nach dem Zweiten Weltkrieg arbeitete Kästner das Filmtreatment in einen Roman um, der schließlich durch von Baky verfilmt wurde.
Land/Jahr: 
D 1950
Regie:
Josef von Báky
Länge:
105 Min.
Farbe:
s/w
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