Kinoptikum Landshut

EIN KUCHEN FÜR DEN PRÄSIDENTEN

(OmU/DF)
Kino Nahost
Do 19.03. OmU
Mo 23.03. DF
Do 26.03. OmU
So 29.03. DF

Mamlaket al-qasab – USA/QA 2025, 105 Min. FSK 6

Regie: Hasan Hadi
mit Baneen Ahmed Nayyef, Sajad Mohamad Qasem

Eine poetische Heldinnenreise unter widrigen Vorzeichen

Favorit

Im Marschland im Süden des Iraks führt die kleine Lamia (Baneen Ahmed Nayyef) Anfang der 1990er-Jahre zusammen mit ihrer betagten Großmutter Bibi (Waheed Thabet Khreibat) ein einfaches bäuerliches Leben. Kurz vor dem Geburtstag von Staatsoberhaupt Saddam Hussein steht in der Schule, die sie und ihr Freund Saeed (Sajad Mohamad Qasem) mit dem Boot erreichen, eine traditionelle (auch in der damaligen Realität existierende) Lotterie an. Jedes Jahr wird ein Kind der Klasse ausgelost, das zu Ehren des Diktators für die örtlichen Feierlichkeiten einen Kuchen backen muss. Kommt es dem Auftrag nicht nach, drohen seiner Familie drakonische Strafen. Dieses Mal trifft es Lamia, für die eine eigentlich so alltägliche Aufgabe zu einer schier unüberwindbaren Herausforderung werden könnte, ächzt doch das ganze Land im Zuge des Zweiten Golfkriegs unter internationalen Sanktionen.
Mit ihrer Oma und ihrem geliebten Hahn Hindi unter dem Arm macht sich die Neunjährige schließlich auf den Weg in die nächste Stadt, wo sie noch auf ganz andere Weise von der harschen Wirklichkeit eingeholt wird. Das Mädchen lässt sich indes nicht unterkriegen und begibt sich, begleitet von Saeed, auf die Suche nach den nötigen Zutaten. Was sich schnell zu einer gefährlichen Odyssee auswächst.
Bei der Vorstellung von Hasan Hadis Debütwerk Ein Kuchen für den Präsidenten auf dem Film Festival Cologne 2025 wurde nachdrücklich darauf hingewiesen, dass der Regisseur kein Risiko gescheut und dennoch einen erstaunlich souverän inszenierten Film abgeliefert habe. Widersprechen möchte man da nicht! Laiendarsteller*innen, ein Dreh mit Kindern und Tieren sowie einige Passagen auf dem Wasser – all diese Unwägbarkeiten bündelt das in weiten Teilen mangels Stromquellen ohne künstliches Licht gefilmte Coming-of-Age-Drama.
Mit Lamias archaisch geprägtem Wohnort im Hinterland sowie der Stadt, in der es immerhin einen bunten Jahrmarkt gibt, stellt Hadi zwei unterschiedliche Welten gegenüber. In beiden sind allerdings die Auswirkungen der gegen den Irak verhängten Sanktionen spürbar. Nicht wenigen Menschen fehlt es an den einfachsten Dingen. Eier, Mehl und Backpulver etwa sind rare Kostbarkeiten. Die Händler, denen Lamia und Saeed begegnen, klagen, dass sie fast nichts verkaufen würden. Was hier deutlich werden soll: Anders als oft angenommen sind Embargos keine gewaltfreien Mittel im Umgang mit diktatorischen Systemen. Saddam Hussein und seine Führungsclique treffen die Strafmaßnahmen eben nicht. Zu einer großen Belastung werden sie stattdessen für die einfache Bevölkerung, diejenigen, die ohnehin ums Überleben kämpfen, wenig Macht besitzen.
Lamias Jagd nach den Ingredienzien entwickelt sich zu einem Spießrutenlauf, der einiges über das gesellschaftliche und zwischenmenschliche Klima im damaligen Irak verrät. Mehr als einmal treffen die beiden Kinder auf Männer, die ihre Lage, ihre Not ausnutzen wollen, selbst vor sexueller Ausbeutung nicht zurückschrecken. Platz für Nächstenliebe und Solidarität gibt es allerdings ebenfalls. Ein Taxifahrer (Musiker Rahim AlHaj), der das Mädchen und seine Großmutter das letzte Stück des Weges in die Stadt mitnimmt, repräsentiert die andere, die aufrichtig helfende Seite.
Dass zur Zeit der Handlung der Zweite Golfkrieg tobt, könnte man zwischendurch glatt vergessen, wenn uns der Regisseur nicht regelmäßig an die Auseinandersetzung erinnern würde. Hier und da donnern Kampfjets durch die Luft. In einer Krankenhaussequenz sind lauter verletzte Soldaten zu sehen. Und mehrfach wird die Jugend auf den Saddam-Hussein-Kult eingeschworen. Mit Blut und Seele würden sie ihr Oberhaupt verteidigen, brüllen beispielsweise die Schüler*innen in Lamias und Saeeds Klasse dem wie ein Feldwebel auftretenden Lehrer (Ahmad Qasem Saywan) entgegen.
Der Grundton von Ein Kuchen für den Präsidenten ist ernst. Zugleich bringt es Hasan Hadi aber fertig, eine Prise Humor in seine von eigenen Kindheitserlebnissen inspirierte Geschichte einzustreuen. Komik, die das Geschehen nie ins Lächerliche kippen lässt. Zum Ende wirkt der Film vielleicht etwas mechanisch, fühlen sich manche Plot-Wendungen ein wenig hingebogen an. Mit den allerletzten intensiven Szenen setzt der Debütregisseur allerdings noch einmal ein dickes Ausrufezeichen. Auf gespenstische Weise zeigt sich an dieser Stelle unmissverständlich, wie nah der Krieg tatsächlich ist und wie viel Ungleichheit und Ungerechtigkeit seinerzeit im Irak vorherrschen. (kino-zeit.de)