Kinoptikum Landshut
THE SISTERS BROTHERS OmU
Do 25.04.  21:00
Sa 27.04.  21:00
Di 30.04.  21:00
Mi 01.05.  18:30
FSK 12
Der Mensch lebt nicht vom Tod allein: Starbesetzter Goldrausch-Western, der ganz lässig an den Mythen des Genres kratzt.
Wie man das Western-Pferd zu Tode reitet, hat auf der vorigen Berlinale die verkrampfte Groteske „Damsel“ bewiesen, die ein furioses Festival-Fiasko erlebte. Wie man das uralte Genre gekonnt neu sattelt, zeigt Frankreichs regelmäßig preisgekrönter Regisseur Jacques Audiard („Dämonen und Wunder“), der mit 66 Jahren sein Hollywood-Debüt mit Starbesetzung gibt.
John C. Reilly und Joaquin Phoenix geben im Wilden Westen anno 1851 die berüchtigten Revolverhelden-Brüder Eli und Charlie, besser bekannt als The Sisters Brothers. Der aufbrausende Charlie bechert bisweilen ein bisschen viel, sein älterer Bruder gibt gern den Grübler. Beide verbindet ein traumatisches Verhältnis zum verstorbenen Vater. Für den mysteriösen „Commodore“ soll das Duo den Chemiker Hermann Kermit Warm (Riz Ahmed) aufspüren, der eine Wunderformel für Goldwäsche gefunden haben will. Auf dessen Suche macht sich gleichfalls John Morris (Jake Gyllenhaal). Eigentlich soll er den Erfinder bis zum Eintreffen der Killer-Brüder festhalten. John jedoch nutzt seinen Vorsprung lieber für ganz eigene Pläne. Beim Plaudern entdecken Jäger und Gejagter ihre Sympathien. „Für mich ist das Gold nur das Sprungbrett, um eine neue Gesellschaft zu gründen, die sich nicht dem Profi widmet“, schwärmt Hermann. Das trifft voll ins Herz des melancholischen Häschers: „Ich bin 35 Jahre alt und mein Leben ist wie ein leerer Zylinder!“. Wie einst in „Brokeback Mountain“, entdeckt Jake Gyllenhaal als sensibler Cowboy abermals die Vorzüge wahrer Männerfreundschaft, die diesmal freilich rein platonisch bleibt.
Die Sisters-Brüder machen derweil Zwischenhalt in San Francisco. „Das ist Babylon!“ staunt man nicht schlecht und gönnt sich prompt ein Luxus-Hotel mit warmem Wasser und WC. „Etwas Komfort in unsicheren Zeiten,“ schwärmen die Revolverhelden und genießen die Erfindung des Zähneputzens. Der kleine Streit über die berufliche Zukunft wächst sich zwar zur mittleren Familienkrise aus, dennoch gelingt es dem Duo mit Leichtigkeit, den Chemiker samt seinem neuen Kumpel aufzuspüren und zu überrumpeln. Als die Jäger plötzlich selbst zu Gejagten werden, helfen nur noch vereinte Kräfte gegen die Übermacht der Angreifer. Bleibt abzuwarten, was es mit der geheimnisvollen Wunderformel für die Goldsuche tatsächlich auf sich hat? Und was der mysteriöse Commodore (Gastauftritt Rutger Hauer) zu alledem meint?
Bei seinem ersten Hollywood-Ausflug macht es Cannes-Stammgast Jacques Audiard sichtlich Vergnügen, den guten alten Western lässig aufzubürsten. Wortkarge Machos sind von gestern, hier plappern die Protagonisten gern und philosophieren viel. Männer, die traumatisiert auf ihre Väter starren. Die von einer Gesellschaft ohne Gier träumen, in der das Kollektiv sein ganzes Gold in die Erziehung steckt. Die bei Prostituierten einen Korb bekommen „wegen zuviel Zärtlichkeit“. Die neugierig Zahnbürsten ausprobieren. Oder die als knallharte Killer wie kleine Kinder über Ohrfeigen heulen.
Spürbaren Spaß hat das Herren-Quartett an seinen Figuren. Phoenix und Gyllenhaal kokettieren genüsslich mit ihrem Coolness-Image, derweil der vielfach zum Nebendarsteller verdammte Reilly (zugleich Produzent) nun als Revolverheld mit Sinnkrise zur Hochform auflaufen und sogar feminine Seiten zeigen darf: Im Western was Neues! (programmkino.de)
Land/Jahr: 
F/USA/SP/B 2018
Länge:
121 Min.
Regie:
Jacques Audiard
Darsteller:
John C. Reilly, Joaquin Phoenix, Jake Gyllenhaal, Rutger Hauer
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