Kinoptikum Landshut

WILLKOMMEN UM ZU BLEIBEN

(OmU/DF)
Cinema Obscure
Do 20.11. 18:00DF
Sa 22.11. 20:30OmU
Mi 26.11. 19:00DF
Fr  28.11. 18:00OmU

Mr. K – N/B/NL 2024, 94 Min. FSK 12

Regie: Tallulah Hazekamp Schwab
mit Crispin Glover, Sunnyi Melles, Fionnula Flanagan

Als hätte Kafka „Shining“ neu verfilmt. Geheimtipp!

Wir wollen davonrennen, aber können uns nicht bewegen. Wir wollen schreien, aber können keinen Laut von uns geben. Wir werden missverstanden, zu Unrecht beschuldigt, mit unlösbaren Aufgaben konfrontiert. All diese und ähnliche Horrorszenarien kennen wohl die meisten von uns aus Albträumen. Kaum eine Person hat die beängstigende Eigenlogik böser Träume je so treffend erfasst wie der österreichisch-tschechische Schriftsteller Franz Kafka in Werken wie „Der Prozess“ oder „Das Schloss“. Und so finden sich Spuren des Autors auch in fast allen Filmen, die uns in surreale, absurde Gefilde führen.
Dass die niederländisch-norwegisch-belgische Co-Produktion Willkommen um zu bleiben von Kafka inspiriert ist, lässt sich bereits am Originaltitel Mr. K. erkennen, der auf Kafka selbst und auf dessen Protagonisten Josef K. und K. aus den oben genannten Romanfragmenten anspielt. Der von Crispin Glover verkörperte Mr. K. in Tallulah H. Schwabs Mysterydrama ist ein Magier, der auf der Durchreise für eine geplante Nacht in einem Hotel eincheckt. Von Anfang an muten der Ort und die Leute, die dort arbeiten oder einquartiert sind, höchst seltsam an. Zum endgültigen Albtraum entwickelt sich das Ganze für den Helden, als er begreifen muss, dass es keinen Weg mehr nach draußen zu geben scheint.
Gleich zu Beginn weist der Zauberkünstler via Voiceover auf den individuellen Aspekt von Erfahrungen hin. Jeder Mensch sei ein Universum für sich, schwebe ziellos und einsam durch ewige Dunkelheit. „Oder vielleicht geht es nur mir so“, fügt er nachdenklich hinzu. Ist alles, was Mr. K. hier widerfährt, bloß Einbildung? Oder eine verzerrte Wahrnehmung der Welt? Mr. K. versucht, seine Rolle in dem bizarren Treiben um ihn herum zu verstehen. Er wird zum Angestellten in der Großküche, lehnt es jedoch ab, als „Liberator“ zu fungieren, der alle retten soll – denn er sei „niemand“.
Die Regisseurin, die auch das Skript geschrieben hat, lässt genüsslich literarische und filmische Bezüge einfließen, darunter Brazil (1985) von Terry Gilliam, Barton Fink (1991) von den Coen-Brüdern und Grand Budapest Hotel (2014) von Wes Anderson. Die Art und Weise, wie das Gebäude als lebender Organismus gestaltet ist, lässt zudem an Haunted-House-Erzählungen und an die sehr körperliche Fantastik von David Cronenberg denken.
Besonders gelungen sind die Momente, in denen eine Blaskapelle durch den Hotelflur zieht und mit ihren Instrumenten zum eigentümlichen Sound des Schauplatzes beiträgt. Die Ausstattung des Duos Manolito Glas und Maarten Piersma ist ebenso eindrücklich wie die Kameraarbeit von Frank Griebe. Unter den wunderlichen Gestalten, denen Mr. K. begegnet, stechen die zwei älteren Damen Ruth (Fionnula Flanagan) und Sara (Dearbhla Molloy) hervor; auch Sunnyi Melles darf als hedonistische Künstlerin ein weiteres Mal beweisen, dass sie die Darstellung von Exzentrik perfekt beherrscht. (kino-zeit.de)

Originaltitel: 
Mr. K
Land/Jahr: 
N/B/NL 2024
Länge:
94 Min.
Regie:
Tallulah Hazekamp Schwab
Darsteller:
Crispin Glover, Sunnyi Melles, Fionnula Flanagan