Kinoptikum Landshut

DER WEISSE HAI

(OmU/DF)
Do 01.01. 19:00DF
Sa 03.01. 20:30DF

Jaws – USA 1975, 124 Min. FSK 12

Regie: Steven Spielberg
mit Roy Scheider, Robert Shaw, Richard Dreyfuss

Das Grauen aus der Tiefe – zum 50. endlich wieder im Kino!

In der ersten Hälfte der Inszenierung benötigt der Hai dank des legendären Musikstücks von John Williams („Da-dum… da-dum… da-dum!-da-dum!-da-dum!“) nicht einmal eine Physis. Statt ihn zu sehen, nehmen wir als Zuschauende zuweilen per Point-of-View-Shots die Perspektive des attackierenden Fischs ein. Ein Umstand, der zum Teil den Chaos-Dreharbeiten mit defekten mechanischen Hai-Attrappen geschuldet war, sich aber letztlich als gestalterischer Geniestreich erweisen sollte. Es dürfte inzwischen allgemein bekannt sein, dass Haie nicht die Monster sind, zu denen sie im Zuge des Erfolgs von Der weiße Hai stilisiert wurden. Hier dient das titelgebende Tier indes in erster Linie als Projektionsfläche all unserer Ängste – und funktioniert daher besonders gut als unsichtbare Gefahr in unseren Köpfen.
Wenn der gewaltige Hai an den Stränden des beschaulichen Ostküstenorts Amity in der Urlaubssaison Panik auslöst, erfüllt der Plot zunächst die Vorgaben des Tierhorror- und des Katastrophenfilms. Durch Alfred Hitchcocks Thriller Die Vögel (1963) hatte sich das Nature-Strikes-Back-Motiv im ernst zu nehmenden Suspense-Kino etabliert; Produktionen wie Airport (1970) oder Die Höllenfahrt der Poseidon (1972) hatten das aufwendige Disaster-Genre populär gemacht. Der weiße Hai führt Elemente dieser Filme spannungsreich zusammen und folgt dabei dramaturgisch auch dem Slasher-Movie-Prinzip, das zu jener Zeit durch Wegbereiter wie Jessy – Die Treppe in den Tod (1974) am Beginn seiner Blüte stand.
Im dritten Akt wandelt sich der Film dann zu einem Abenteuer mit Action-Einlagen unter Männern. Der Protagonist Chief Brody (Roy Scheider) muss seine Gattin Ellen (Lorraine Gary) und seine beiden Söhne zurücklassen, um mit dem jungen Meeresbiologen Hooper (Richard Dreyfuss) und dem Hai-Jäger Quint (Robert Shaw) in See zu stechen. Das ungleiche Trio lässt sich von der Präsenz des aggressiven Hais nicht davon abhalten, sich im Zerquetschen von Trinkgefäßen zu duellieren, einander mit (Kriegs-)Geschichten zu beeindrucken und gemeinsam zu singen, ehe es Brody im großen Finale schließlich schafft, das Tier zur Strecke zu bringen.
Zur klugen Variation von Genre-Versatzstücken kommt die Vieldeutigkeit, die Der weiße Hai auch in unserer Zeit noch so unglaublich faszinierend macht. Was sagt uns die Handlung über den Kapitalismus? Was erzählt uns der Film über die Hybris des Menschen? Dieses Werk wird jede Generation aufs Neue begeistern und ein bisschen traumatisieren. Dieser Klassiker ist wahrlich für die Ewigkeit. (kino-zeit.de)

Originaltitel: 
Jaws
Land/Jahr: 
USA 1975
Länge:
124 Min.
Regie:
Steven Spielberg
Darsteller:
Roy Scheider, Robert Shaw, Richard Dreyfuss