TAFITI - Ab durch die Wüste
KinderKino
D 2025, 81 Min.
Regie: Nina Wels
Eine abenteuerliche Zeichentrick-Reise durch die Wüste
Timon und Pumbaa, das Erdmännchen und das Warzenschwein aus Disneys Zeichentrickklassiker „Der König der Löwen“, bekommen auf der großen Leinwand Gesellschaft. Mit Tafiti und Pinsel schickt sich ein ganz ähnliches Duo an, Kinder und Eltern zu unterhalten. Seine Premiere feierte das Animationsabenteuer „Tafiti – Ab durch die Wüste“, basierend auf einer Kinderbuchreihe der Schriftstellerin Julia Boehme, nach launiger Anmoderation von Tim Gailus beim Filmfest München 2025, wo es die auf junge Zuschauer*innen ausgerichtete Reihe Cinekindl eröffnete.
„Alle Tiere sind gefährlich, erst recht Schmetterlinge, denn die lenken ab!“ So bekommt es Erdmännchen Tafiti (gesprochen von Cosima Henman) von seinem Opapa gepredigt, der nichts von artenübergreifender Kontaktaufnahme hält. „Wir bleiben unter uns!“, ist ein weiterer Satz, den der Titelheld wahrscheinlich schon tausend Mal gehört hat. Wenig erfreut ist Opapa dann auch, als Tafiti die Bekanntschaft des lebhaften Pinselohrschweins Pinsel (Stimme: Bürger Lars Dietrich) macht, das ihm schnurstracks zum Bau der Erdmännchen folgt. Durch ein Missgeschick des Rüsseltiers wird Opapa von einer Schlange gebissen – und schaut dem Tod ins Auge.
Rettung scheint einzig eine sagenumwobene blaue Blume zu bedeuten, die allerdings noch niemand je gefunden hat. Tafiti bricht dennoch zu einer Wanderung durch die Wüste auf und ärgert sich zunächst darüber, dass der sich schuldig fühlende Pinsel ihm nicht mehr von der Seite weicht. Dessen Ausrede, die sich zu einem kleinen Running Gag ausweitet: Sie hätten nur zufällig denselben Weg. Auf der Suche nach der mutmaßlich heilbringenden Pflanze merkt Tafiti jedoch schnell, dass ein Begleiter auch sehr hilfreich sein kann.
Seine wichtigsten Themen etabliert der Film gleich in den Anfangsminuten: Toleranz, Vertrauen und Freundschaft. Wirklich überraschend ist die „innere“ Reise – also die persönliche Entwicklung des Protagonisten – nicht. Und zweifelsohne bedient sich das Drehbuch mitunter einiger bequemer Kniffe, um die Handlung voranzutreiben. Dafür ist das Erdmännchen-Pinselohrschwein-Gespann aber grundsympathisch. Besonders schön: dass sich die Emotionen, die jeweilige Stimmung Pinsels an der Stellung seiner Ohren ablesen lassen. Hängen sie schlapp nach unten, drückt irgendwo der Schuh.
Auf ihrem Weg müssen die beiden Hauptfiguren Gefahren bestehen und treffen verschiedene Tiere, von denen manche böse Absichten verfolgen. Ein Kurzohrrüsselspringer (eine Art Maus mit Rüssel), dem Dustin Semmelrogge seine markante Stimme leiht, wird hingegen für einige Zeit zu einem Gefährten, der vor allem die Funktion eines komischen Sidekicks übernimmt. Sein Abgang kommt indes etwas abrupt und ist auf bemüht komische Weise inszeniert.
Äußerst angenehm, da keineswegs selbstverständlich im heute leider oft hektischen, auf Spektakel und Knalleffekte setzenden Family-Entertainment-Bereich: Rasante Passagen wie Verfolgungsjagden oder Ähnliches sind ausgewogen auf die Gesamtlaufzeit verteilt. Fast nie hat man das Gefühl, dass purer Aktionismus um sich greift. Was bei der Premiere in Anwesenheit zahlreicher Kinder außerdem deutlich wurde: Die guten alten Pupsgags funktionieren noch immer. Nur schön, dass die Macher*innen rund um Regisseurin Nina Wels damit sparsam umgehen.
Dass das Aussehen der Landschaft – es gibt unter anderem die grün-braue Steppe, die gelbe Wüste und ein unter Wasser stehendes Höhlensystem – mehrfach wechselt, mag nicht realistisch sein. Dadurch erstarrt Tafiti – Ab durch die Wüste allerdings nicht in optischer Eintönigkeit. In puncto Animationsarbeit hat der Film verglichen mit großen, hochbudgetierten US-Studiotiteln logischerweise keine Chance. Aus deutscher Produktion hat man aber schon viele weniger detailfreudige Werke gesehen. Das Fell Pinsels etwa wirkt durchaus rau und borstig. (kino-zeit.de)