Kinoptikum Landshut

LESBIAN SPACE PRINCESS

(OmU/DF)
Cinema obscure
Do 30.04. OmU
Sa 02.05. DF
Mo 04.05. OmU
Fr  08.05. DF

AUS 2025, 87 Min. FSK 16

Regie: Leela Varghese, Emma Hough Hobbs
mit Shabana Azeez, Gemma Chua-Tran (Stimmen)

Quietschebuntes Weltraumabenteuer als Zeichentrick

Favorit
LESBIAN SPACE PRINCESS

Die Theorie von der Heldenreise als angeblich gängigste und geeignetste narrative Struktur für Mythen, Romane und Filme hat großen Einfluss: George Lucas beispielsweise hat bei der Arbeit an den Büchern zu seinen Star-Wars-Filmen Joseph Campbells Standardwerk „Der Heros in tausend Gestalten“ gelesen. Die Theorie ist aber auch viel kritisiert worden. Nicht zuletzt monieren feministische Autor*innen, die Theorie habe vor allem männliche Heldenfiguren und deren typische Geschichten vervielfältigt und als Norm verfestigt. Zumindest müsse eine Figur gewisse Privilegien genießen, die auszieht, um Abenteuer zu bestreiten und Siege zu erringen, womöglich auch zunächst einmal sich selbst und ihr Selbstbewusstsein zu finden, dann aber auf jeden Fall Erkenntnisse und Profite mit nach Hause zu bringen und zu teilen und dafür gefeiert zu werden.
Der australische Animationsfilm Lesbian Space Princess ist bemerkenswert, weil er sich geradezu peinlich genau an die klassische Heldenreise-Struktur hält, jedoch, wie der Titel schon verrät, eine dafür untypische Hauptfigur hat. Das funktioniert, weil der Film in einer untypischen Welt spielt: Saira (Shabana Azeez), die besagte Weltraumprinzessin, kommt vom Planeten Clitopolis, der von lesbischen Frauen regiert ist. Als königlicher Nachwuchs hat sie Privilegien, und ihre Queerness ist in dieser Welt die Norm. Allerdings hat Saira Selbstbewusstseinsprobleme – und deshalb auch Probleme mit der Liebe: Ihre Geliebte, die draufgängerische Weltraum-Kopfgeldjägerin Kiki (Bernie Van Tiel), hatte sich die Prinzessin spannender vorgestellt und macht Schluss.
Saira erwacht aus ihrem überzeichnet in Szene gesetzten Selbstmitleid, als Kiki außerhalb des sicheren „Gay Space“ in die Fänge der „Straight White Maliens“ gerät, eine Gruppe außerirdischer Maskulinisten. Nun nimmt die Prinzessin endlich ihren Mut zusammen, setzt sich in das einzige Raumschiff, das sie finden kann, das leider einen veralteten Bordcomputer mit problematisch-patriarchalem Humor und Weltbild hat, und geht auf Rettungsmission. Das Abenteuer wird ihr gut tun, die Obsession mit der Ex weniger. Zum Glück trifft sie unterwegs eine Figur, die tatsächlich ein guter Match sein könnte: Willow (Gemma Chua-Tran) ist ein nonbinärer Popstar mit Goth-Look, jedoch recht optimistischem Songwriting, der dafür sorgt, dass der Film bald zum Musical wird.
Lesbian Space Princess hat selbst eine beeindruckende Reise hinter sich: Der Debütfilm der beiden Autorinnen und Regisseurinnen Emma Hough Hobbs und Leela Varghese erwies sich bei diversen Festivals als echter Crowdpleaser und bekommt nun erfreulicherweise in vielen Ländern eine Kinoauswertung. Dabei machen Hobbs und Varghese inhaltlich kaum Kompromisse und parodieren toxische Mainstream-Nerdkultur ebenso wie die Kommerzialisierung queerer Popkultur.
Die Mitglieder der australischen Comedy-Truppe Aunty Donna sprechen die „Maliens“ und führen eine Parodie aller möglicher gekränkter Männlichkeiten auf: Krypto-Bros und Dating-Coaches bekommen ihr Fett weg, aber auch diejenigen, die sich radikalisiert haben, weil ihnen an Marvel-Filmen zu viele Frauen mitwirken. Willow wiederum ist als Vertragsbrüchige auf der Flucht vor der Musikindustrie. Vor allem Nineties-Kids dürften viele Referenzen auflesen können. Wer etwa beim Namen Willow sofort an Buffy the Vampire Slayer denkt, wird belohnt, als sie dann tatsächlich Under Your Spell anklingen lässt, ursprünglich gesungen von Tara, der einzigen lesbischen Figur der Serie, in der legendären Musical-Episode.
Der Animationsstil ist bewusst simpel gehalten, weil sich allein darin schon Humor verbirgt: Die Heteros sind natürlich wortwörtliche Striche, der Weltraum sieht aus wie eine hingekritzelte Schatzkarte. Das erinnert an Cartoonserien für Erwachsene wie Rick & Morty. Mitunter ist Lesbian Space Princess dabei sehr plakativ, etwa wenn er riesige Penis- oder Vulva-förmige Dinge entwirft, weshalb einige Kritiker*innen ihm ein unterkomplexes Abbild des Genderspektrums vorwerfen.
Zweifellos gelungen ist aber die Darstellung von Sairas Ängsten und Verlegenheiten, in einigen Sequenzen als schwarze Materie abgebildet, die trotz des Space-Settings einfühlsam und realistisch wirkt. Und das ist die vielleicht größte Stärke des Films: Lesbian Space Princess ist queeres Kino, in dem es einmal nicht hauptsächlich ums Coming-out oder um Widerstand gegen Unterdrückung geht. Stattdessen muss die junge Protagonistin auf ihrer Reise vor allem innere Kämpfe bestreiten und nimmt keine Schätze und Artefakte mit nach Hause, sondern vor allem die Hoffnung auf ein gesünderes Bindungsverhalten und Beziehungen.
Die „Maliens“ sind etwas zu lächerlich, um wirklich gefährlich zu wirken, und Lesbian Space Princess ist insgesamt kein Film, der versucht, den Gefahren der echten Welt gerecht zu werden. Mit einer sehr universellen Botschaft der Selbstliebe, die am Ende sogar die Bösewichte überzeugen kann, machen Hobbs und Varghese es sich einfach. Gerade deshalb ist Lesbian Space Princess aber wohl ein guter filmische Safer Space für queere Zuschauer*innen – und auch eine gelungene Umdeutung der berühmten Heldenreise, in der daraus endlich eine Held*innenreise wird. Bald muss man hoffentlich nicht mehr bis in den Weltraum reisen, damit eine solche Geschichte realistisch erscheint. (kino-zeit.de)

Land/Jahr: 
AUS 2025
Länge:
87 Min.
Regie:
Leela Varghese, Emma Hough Hobbs
Darsteller:
Shabana Azeez, Gemma Chua-Tran (Stimmen)