Kinoptikum Landshut

THE BRIDE! - ES LEBE DIE BRAUT

(OmU/DF)
Cinema obscure
Do 07.05. 20:30OmU
Sa 09.05. 18:00DF
Mi 13.05. 19:00OmU
Sa 16.05. 20:30DF

The Bride! – USA 2026, 127 Min. FSK 16

Regie: Maggie Gyllenhaal
mit Jessie Buckley, Christian Bale, Jake Gyllenhaal

Vogelwilde Steam-Punk Revue mit Frankensteins Braut

Greta
THE BRIDE! - ES LEBE DIE BRAUT

Im Zentrum steht Jessie Buckley, die hier eine Rolle spielt, die eigentlich aus mehreren Figuren besteht. Zunächst ist da Ida, eine selbstbewusste Frau aus dem Chicago der 1930er Jahre, die sich im Umfeld von Gangstern bewegt. Dann gibt es den Geist der Schriftstellerin Mary Shelley, der von Ida gelegentlich Besitz ergreift und ihr eine völlig andere Stimme und Haltung verleiht. Und schliesslich entsteht aus diesen beiden Ebenen die titelgebende Braut – eine wiedererweckte, rätselhafte Figur, die gleichermassen Femme fatale, literarisches Gespenst und Monstergefährtin ist.
Was kompliziert klingt, wird durch Buckleys Spiel erstaunlich lebendig. Die irische Schauspielerin wirft sich mit sichtbarer Lust in diesen exzentrischen Charakter, wechselt Tonlagen, Temperament und Körpersprache und dominiert den Film mit einer entfesselten Präsenz, die selbst dann fesselt, wenn die Handlung gerade in alle Richtungen auseinanderdriftet. Ihre Darbietung ist überdreht, manchmal fast grotesk – aber genau darin liegt auch der Reiz.
An ihrer Seite steht Christian Bale als Frankensteins Kreatur. Anders als viele moderne Interpretationen setzt diese Version nicht auf romantische Tragik, sondern auf eine Mischung aus Melancholie und grober Körperlichkeit. Bales Monster wirkt ramponiert, fast wie ein alter Boxer nach zu vielen Kämpfen, und zugleich unerwartet verletzlich. Seine Sehnsucht nach Nähe und einem Gegenüber verleiht der grotesken Liebesgeschichte eine unerwartet emotionale Grundlage. Doch Gyllenhaals Version verschiebt die Perspektive: Die Braut ist längst mehr als nur die Gefährtin des Monsters – sie entwickelt eine eigene Identität, hinterfragt ihre Rolle und bringt mit ihrem ungebändigten Punk-Gothic-Vibe die Themen Selbstbestimmung und Me-Too überraschend aktuell ins Kino.
Ein besonderes Stilmittel des Films ist sein Soundtrack, der das 1930er-Chicago bewusst mit modernen Klängen kontrastiert. Orchestrale Elemente von Hildur Guðnadóttir treffen auf Songs von Fever Ray, ergänzt durch eine persönliche Punk-/Rock-Playlist von Jessie Buckley, die Acts wie PJ Harvey, The Pogues, Sid Vicious und The Clash enthält. Diese Mischung unterstreicht den ungebändigten Punk-Gothic-Vibe, verstärkt die rebellische Energie der Braut und macht die Geschichte noch lebendiger, während die feministische Perspektive hörbar unterstrichen wird.
Unterstützt wird das Duo von Annette Bening als mitfühlender Wissenschaftlerin Dr. Euphronius, Penélope Cruz als scharfsinnige Ermittlerin Myrna Mallow, Peter Sarsgaard als hartnäckiger Detective Jake Wiles sowie Jake Gyllenhaal als charmanter Hollywoodstar Ronnie Reed – Figuren, die das wilde Genre-Mosaik von Gyllenhaal facettenreich ergänzen. Hier trifft schwarzer Humor auf Gangsterfilm, Horrormotive auf Musicaleinlagen, während immer wieder augenzwinkernde Anspielungen auf Filmgeschichte und Genreklassiker aufblitzen. Manche Szenen erinnern an die anarchische Energie von Mel Brooks’ Frankenstein Junior, andere an die Glamour-Welt alter Tanzfilme. Dann wieder kippt der Film plötzlich in eine Art makabren Roadmovie-Modus à la Bonnie und Clyde (1967) oder Natural Born Killers (1994), wenn das ungewöhnliche Paar durch die amerikanische Landschaft zieht und eine Spur aus Chaos hinterlässt.
Gerade diese Mischung macht The Bride! gleichermassen reizvoll und problematisch. Gyllenhaal scheint sich bewusst gegen klare Regeln zu entscheiden und folgt stattdessen jedem noch so verrückten Einfall. Das führt zu Momenten grosser Originalität, aber auch dazu, dass sich manche Einfälle eher wie Skizzen anfühlen als wie vollständig entwickelte Erzählstränge. Einige der spannendsten Ansätze – etwa die Rolle Mary Shelleys als kommentierende Geisterfigur – werden überraschend schnell wieder fallen gelassen.
Trotz solcher erzählerischen Brüche entfaltet der Film eine bemerkenswerte Dynamik. Visuell ist The Bride! opulent, mit aufwendigen Kulissen und einer Bildsprache, die das klassische Hollywoodkino ebenso zitiert wie den Gothic-Horror der Universal-Ära. Gleichzeitig hat das Ganze diesen rebellischen Unterton, als würde der Film seine eigene Absurdität jederzeit mit einem Augenzwinkern kommentieren.
Am Ende ist The Bride! vielleicht selbst ein kleines filmisches Monster: zusammengesetzt aus unterschiedlichsten Teilen, nicht immer harmonisch, aber gerade deshalb ungewöhnlich lebendig. Vor allem Jessie Buckleys entfesseltes Spiel sorgt dafür, dass diese bizarre Neuinterpretation der „Frankenstein“-Mythologie im Gedächtnis bleibt – als schräges, mutiges und ziemlich unterhaltsames Experiment. (kino-zeit.de)

Originaltitel: 
The Bride!
Land/Jahr: 
USA 2026
Länge:
127 Min.
Regie:
Maggie Gyllenhaal
Darsteller:
Jessie Buckley, Christian Bale, Jake Gyllenhaal