Kinoptikum Landshut

GLENNKILL: EIN SCHAFSKRIMI

(OmU/DF)

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The Sheep Detectives – GB/USA 2025, 110 Min. FSK 6

Regie: Kyle Balda
mit Hugh Jackman, Julia Louis-Dreyfus, Emma Thompson

Flauschiges Cozy Crime auf der Farm der Tiere

GLENNKILL: EIN SCHAFSKRIMI

Bislang hatten es Schafe relativ schwer in der Popkultur. Nachdem George Orwell sie in seiner Fabel „Farm der Tiere“ als die dümmsten aller Tiere bezeichnete, werden die flauschigen Säugetiere oft mit blindem Gehorsam assoziiert. Eine Stigmatisierung, die auch in den Kreisen von Verschwörungstheoretikern (aka Onlineschwurbeln) immer noch zur Abgrenzung zur angeblich dummen Masse verwendet wird. Zumindest im Pink-Floyd-Song „Sheep“ durften sich die Herdentiere gewaltsam gegen ihre Unterdrücker auflehnen. Ganz so radikal ist „Glennkill: Ein Schafskrimi“ zwar nicht geworden, aber der Film dürfte dennoch einen wichtigen Beitrag zur Imagepolierung der Schafe beitragen.
Schäfer George Hardy (Hugh Jackman) ist ein guter Schäfer, denn er züchtet seine Schafe ausschließlich zur Gewinnung von Wolle und hat sogar jedem seiner Schützlinge einen Namen gegeben. Jeden Abend liest er seiner Schafherde aus einem Krimi vor. Was der ansonsten etwas mürrische Einzelgänger – zu den Menschen im naheliegenden Dorf hat er kein besonders gutes Verhältnis – nicht weiß, ist, dass seine Schafe ihn verstehen können. Die Schafe leben ein schönes, aber einfaches Leben, da alle bis auf Schaf Mopple (deutsche Stimme: Bastian Pastewka) alles Unangenehme auf Kommando vergessen können.
Eines Morgens aber dann der Schock: Schäfer George ist tot! Obwohl die meisten Schafe mit dem Konzept von Tod und Sterben nicht vertraut sind, versteht das schlauste Schaf Lily (Anke Engelke) aufgrund ihrer Krimierfahrung schnell, dass ihr geliebter Schäfer ermordet wurde. Da der einzige örtliche Polizist Tim Derry (Nicholas Braun) mit dem Fall massiv überfordert ist, beschließt Lily, dass sie Schäfer George nicht vergessen und den Fall selber aufklären sollte.Der weitere Verlauf des Kriminalfalls entspricht dann ganz den Klischees eines traditionellen Whodunits. Eine ganze Reihe an potenziellen Verdächtigen tauchen auf und werden Befragt, Beweise und mögliche Motive werden gesammelt, nur damit die Auflösung am Ende natürlich dann doch ganz anders ist als vorher angenommen. Wie schon in der Romanvorlage von Leonie Swann zu Glennkill: Ein Schafskrimi ist der besondere Reiz weniger die menschlichen Figuren, sondern die Perspektive der Schafe auf die Menschen. So gibt es beispielsweise eine urkomische Szene, in der die Schafe versuchen, sich das Konzept von Religion gegenseitig zu erklären und das natürlich völlig falsch verstehen.
Zwar nimmt sich der Film in Bezug zum Roman einige Freiheiten und gestaltet dessen philosophische Aspekte deutlich familienfreundlicher, im Kern steckt aber auch in dieser filmischen Umsetzung eine unerwartet große Themenvielfalt. Es ist dabei beeindruckend, wie gut es dem Film gelingt, komplexe Themen wie Gemeinschaft, Abgrenzung, Individualismus aber auch den Umgang mit Leben und Tod in einen Kriminalfall mit Schafen zu verpacken und diese Komplexität auf einer auch für jüngere Kinogänger:innen gut verständlichen und emotionalen Ebene auszuspielen. Möglicherweise spürt man in dieser Qualität des Films das Einwirken von Produzenten Phil Lord und Chris Miller, die in Der Astronaut – Project Hail Mary eine ähnliche humanistische Perspektive in einem ungewöhnlichen Setting gefunden haben.Die Gestaltung und die technische Umsetzung der Schafe tragen dabei ebenfalls einen wichtigen Teil zum emotionalen Kern des Films bei. So sind die Schafe zwar naturrealistisch gehalten und sehen wirklich lebensecht aus, bei einigen wichtigen Details hat man allerdings nicht den gleichen Fehler wie Disney in ihrer Live-Action-Adaption von Der König der Löwen gemacht und den Schafen eine gewisse menschliche Mimik gestattet. Diese wirkt nie unnatürlich oder cartoonesk, aber immer menschlich genug, um zu verstehen, was das jeweilige Schaf gerade denkt oder fühlt. Auch äußerlich unterscheiden sich die Schafe bei der Gestaltung ihrer Fellfarben und Hörner auch so weit, dass man immer ein Gefühl für den jeweiligen Charakter des Tieres bekommt.
Wenn dann am Ende des Films sogar der Kriminalfall befriedigend aufgelöst wird – einfach weil dieser nie mehr sein will als der Motor für die verschiedenen Themen und Figuren des Films – darf man davon ausgehen, dass jetzt die Stunde der Schafe gekommen ist und die sich endlich ihrer negativen Assoziationen entledigen und zukünftig für die Harmonie aus Gemeinschaft und Individualismus stehen können. (kino-zeit.de)

Originaltitel: 
The Sheep Detectives
Land/Jahr: 
GB/USA 2025
Länge:
110 Min.
Regie:
Kyle Balda
Darsteller:
Hugh Jackman, Julia Louis-Dreyfus, Emma Thompson