ZONE 3
(OmU/DF)Cinema obscure
Ein atemloser Blade Runner im Paris von morgen
Chien 51 – F/B 2025, 100 Min. FSK 12
Regie: Cédric Jimenez
mit Gilles Lellouche, Adèle Exarchopoulos, Louis Garrel
Cédric Jimenez’ Science-Fiction-Thriller „Zone 3“ basiert auf dem Roman „Hund 51“ (2022) von Laurent Gaudé; das Drehbuch hat der Regisseur zusammen mit Olivier Demangel geschrieben. Der dystopische Stoff zeigt uns eine nicht allzu weit entfernte Zukunft, in der Paris in mehrere Zonen aufgeteilt ist. Die Zuordnung der Menschen richtet sich nach deren Gesellschaftsklasse. An den Übergängen herrschen strenge Kontrollen; Armbänder dienen zur Identifizierung der Leute. Eine wichtige Rolle spielt zudem die KI ALMA, die etwa in der Polizeiarbeit zum Einsatz kommt, um den möglichen Verlauf eines Verbrechens mit exakter Berechnung der Wahrscheinlichkeit zu liefern.
Wenn zu Beginn der Gänsehaut verursachende Score des Komponisten Guillaume Roussel ertönt, erzeugt die Inszenierung direkt eine Atmosphäre, die an John Carpenter denken lässt – insbesondere an Die Klapperschlange (1981). Ähnlich wie der moderne Actionklassiker begreift Jimenez’ Werk die nahe Zukunft als extrem finstere Zeit, in der unsere Ängste vor verschiedenen Formen von Gewalt noch realer geworden sind.
Das tödliche Attentat auf den Erfinder von ALMA versetzt die Stadt in Aufruhr. Die Tat wird rasch einer prominenten Widerstandsorganisation zugeschrieben. Als deren Anführer Jon Mafram (Louis Garrel) festgenommen werden kann, lässt der Innenminister Théo Rimarval (Romain Duris) die Bevölkerung glauben, dass der Schuldige nun gefunden sei. Der Polizist Zem Brecht (Gilles Lellouche) und seine höherrangige Kollegin Salia Malberg (Adèle Exarchopoulos) stoßen beim verdeckten Weiterermitteln jedoch bald auf eine andere Spur.
Zone 3 lebt einerseits von seinen spektakulären Momenten: von Autoverfolgungsjagden durch den nächtlichen urbanen Raum oder vom gefährlichen Kampf zwischen einem Mensch und einer Drohne. Andererseits zeichnet sich der Film durch sein detailreiches Szenen- und Kostümbild aus. Gewiss lassen sich etliche Referenzen finden, von Ridley Scotts Blade Runner (1982) bis Kathryn Bigelows Strange Days (1995); Jimenez erschafft aber auch etwas Eigenes – etwa indem er den Blockbuster-Look seines Werks auf eine Besetzung treffen lässt, die üblicherweise eher im Arthouse-Kino aktiv ist.
Bekannte Gesichter wie Romain Duris und Valeria Bruni Tedeschi sind in Nebenrollen zu sehen; Louis Garrel darf die Passagen übernehmen, die mit dem größten Pathos aufgeladen sind – was er erwartungsgemäß gut macht. Gilles Lellouche und Adèle Exarchopoulos verkörpern als zentrales Duo angenehm kantige Figuren, die ganz im Sinne einer Geschichte für ein breiteres Publikum auch romantische Augenblicke miteinander haben. Wenn die beiden in einer Karaokebar den Song What’s Up? von den 4 Non Blondes performen, entfacht das die Hoffnung, dass selbst in der Finsternis ein Rest an Freude und Glück erhalten bleibt – und uns die Menschlichkeit vielleicht sogar zu retten vermag. (kino-zeit.de)