THE NEW WEST

(OmU)

Vom echten, rauen Leben im mittleren Westen in Frauenhand

East of Wall – USA 2025, 97 Min. FSK 12

Regie: Kate Beecroft
mit Tabatha Zimiga, Porshia Zimiga, Scoot McNairy

THE NEW WEST

Als Pferdeflüsterin könnte man Tabatha (Tabatha Zimiga) bezeichnen, eine resolute Frau in den 40ern, die mit ihren markanten Piercings, ihren vielen Tattoos und ihrem halb rasierten Kopf auch optisch aus der Masse hervorsticht. Tabatha betreibt eine kleine Farm, auf der sie Pferde trainiert und im besten Fall Gewinn bringend verkauft.
Ihr Mann ist vor Jahren gestorben, doch einsam wird es Tabatha nicht. Ihre leibliche Tochter Porshia (Porshia Zimiga) lebt bei ihr, auch ihre Mutter Tracey (Jennifer Ehle), dazu diverse andere Jugendliche, die Tabatha aufgenommen hat und wie ihre eigenen Kinder versorgt.
Doch das Leben ist hart, das Geld knapp, die ungewöhnlichen Lebensumstände der Patchwork-Familie stoßen in der konservativen Region auf Widerstände. Da kommt das Angebot des wohlhabenden Roy (Scoot McNairy) scheinbar wie gerufen: Er möchte die Farm übernehmen, bietet Tabatha und ihrer Familie an, dort weiter zu wohnen und für ihn zu arbeiten. Vor allem Tabathas Expertise in Bezug auf Pferde interessiert Roy, doch mit seinem Angebot wäre auch ein Aufgeben der Unabhängigkeit verbunden, die für Tabatha und die ihren so viel bedeutet.
Jahrelang hat die Schauspielerin, Autorin und Regisseurin Kate Beecroft im mittleren Westen gelebt und recherchiert, wurde fast zu einem weiteren Familienmitglied der Zimiga-Familie, die nun im Mittelpunkt ihres ersten Films steht. Auch im wirklichen Leben sind Tabatha und Porshia Zimiga Mutter und Tochter, spielen hier kaum verklausulierte Versionen ihrer selbst. Auch viele andere Personen, die in „The New West“ auftreten, spielen quasi sich selbst, die Cowboys und Rancher auf den Pferdeschauen und Turnieren, die Leiter der Auktionen, bei denen die eleganten Pferde versteigert werden. Ergänzt wird die Riege der Laienschauspieler durch einige professionelle Akteure, vor allem die Rollen von Tabathas Mutter und Roy sind hier zu nennen.
Warum sich Kate Beecroft nach ihrer langen Recherche am Ende dazu entschied, keinen Dokumentarfilm, sondern einen Spielfilm zu drehen, bleibt ein wenig offen. Die fiktiven Elemente von „The New West“ bleiben zurückhaltend, strukturieren die Handlung mehr als lose und wenig dramatisch. Wodurch auch die Laienschauspieler stets überzeugend agieren, zumal sie kaum von ihrer wirklichen Persönlichkeit abzuweichen scheinen, nicht dazu gezwungen sind, wirklich zu spielen.
Insofern überrascht es nicht, dass „The New West“ über weite Strecken wie ein Dokumentarfilm wirkt, der das Leben zwischen Pferdeschauen und Ausritten auf der weiten Prärie beobachtet. Eindrucksvolle Bilder haben Beecroft und ihr Kameramann Austin Shelton hier gefunden, die unaufdringlich zwischen der Schönheit der Natur und dem einfachen, fast ärmlichen Leben changiert.
Man mag hier ein wenig an Chloe Zhaos „The Rider“ denken, der einen ähnlichen, semidokumentarischen Ansatz in einem ganz ähnlichen Setting verfolgte. Während es Zhao jedoch gelang, ihre Geschichte in mythologische Gefilde zu überhöhen, begnügt sich Beecroft damit, das einfache Leben der Zimigas ohne größere Stilisierung abzubilden.
Zum Glück stellt sie mit Tabatha Zimiga eine ungewöhnliche Protagonistin in den Mittelpunkt, die unaufgeregt agiert, die nie wirkt, als würde sie spielen, aber allein auf Grund ihrer ausdrucksstarken Mimik viel über das oft harte Leben im mittleren Westen erzählt. (programmkino.de)

Originaltitel: 
East of Wall
Land/Jahr: 
USA 2025
Länge:
97 Min.
Regie:
Kate Beecroft
Darsteller:
Tabatha Zimiga, Porshia Zimiga, Scoot McNairy