Kinoptikum Landshut
DIE DREIGROSCHENOPER  Heimatkino auf Zelluloid
 Do 06.12.  21:00
 Fr 07.12.  20:00
Die finale, ungewollte Endfassung von "Brechts Dreigroschenfilm" - ein Stück deutscher Filmgeschichte in der (niederländisch untertitelten) 35mm-Fassung!
Und der Haifisch, der hat Zähne ... - mit der Moritat von Mackie Messer (gesungen von Ernst Busch) wird der Zuschauer in die Unterwelt Londons eingeführt und auch gleich der Herrscher der Unterwelt vorgestellt: Mackie Messer (Rudolf Forster). Der hat gerade (standesamtlich) Polly Peachum (Carola Neher) geheiratet und seine Ganoven beauftragt, ihm eine standesgemäße Feier zu bieten - allerdings ist Mackie nicht so leicht zufrieden zu stellen... Dafür kann Mackie sich aber noch auf ganz andere Freunde verlassen, die auch zur Hochzeit einmal vorbeischauen: Zum Beispiel "Tiger-Brown" (Reinhold Schünzel), den Polizei-Chef. Der ist zwar drauf bedacht, dass vor den anstehenden Krönungsfeierlichkeiten Ruhe und Ordnung in London herrschen - allerdings steht er auf Mackies Gehaltsliste und wird erst mal den Teufel tun, gerade ihn zu verhaften. Allerdings ist auch noch jemand anderes daran interessiert, den Krönungszug zu stören: Der "König der Bettler" (Fritz Rasp) - übrigens niemand anderes als Pollys Vater, der mit der Hochzeit seiner Tochter mit Mackie gar nicht so einverstanden ist ... Die älteste und bis heute wohl bekannteste Verfilmung des berühmten "Musicals" von Kurt Weill und Bertolt Brecht - über die die beiden Autoren der "Dreigroschenoper" auch völlig unterschiedliche Ansichten hatten. Während Weill seine Musik brav von Theo Mackeben bearbeiten ließ, einige Songs herausgenommen wurden und seine damalige Frau Lotte Lenya die Jenny spielte, war Brecht über die vorgenommenen Änderungen an der Handlung so entsetzt, dass er versuchen ließ, die Aufführung des Filmes zu verbieten. Was Brecht allerdings nicht gelang, schafften die Nazis einige Jahre später: Sie verbaten Brechts Werke und damit auch den Film. Der nicht nur als Zeitdokument und wegen seiner genialen Besetzung sehenswerte Film stellt in der märchenhaften Kulisse eines phantastischen Londons kritisch gesellschaftliche Verhältnisse in einem kapitalistisch organisiertem Staat dar. Besonders eindringlich zeigt er die Verfilzung zwischen Staatsapparat und mafiös strukturierten Organisationen, daneben aber auch das bedenkenlose Ausnutzen in Not geratener Menschen. Vergleicht man den Inhalt der "Dreigroschenoper" mit den Verhältnissen in dieser Bundesrepublik, kommt man zu dem Ergebnis, dass der seit fast 60 Jahren tote Brecht diese Verhältnisse nicht nur in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts erkannt hat, sondern daß sich in der Zwischenzeit daran nicht allzu viel geändert hat: Erst kommt das Fressen, und dann kommt die Moral…
Ausführende Produktionsgesellschaft war Nero-Film für Tobis-Klang-Film und Warner Brothers. Für die Filmfassung wurde zunächst Bertolt Brecht verpflichtet, doch dieser schrieb in Abweichung von seinem Theaterstück schärfere antikapitalistische Haltungen ins Drehbuch. Er wurde daraufhin von der Produktion ausgeschlossen und aus der Handlung des Bühnenstücks und Brechts „Die Beule“ genannten Aufzeichnungen für den Film entstand diese romantisierende Verfilmung. Brecht und Weill strengten gegen die Art der Verfilmung einen Zivilprozess an, der in erster Instanz erfolglos blieb; die Parteien einigten sich jedoch dann in einem Vergleich.
Land/Jahr: 
D 1931
Länge:
112 Min.
Regie:
Georg Wilhelm Pabst
Darsteller:
Rudolf Forster, Ernst Busch, Carola Neher
Farbe:
s/w
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