Kinoptikum Landshut
THE MAN WHO KILLED DON QUIXOTE OmU
 Mi 19.12.  20:30
 Do 20.12.  20:30
 Fr 21.12.  20:00
 Sa 22.12.  21:00
Lost in La Mancha: Nach jahrzehntelangem Kampf gegen Windmühlen schafft es Terry Gilliams überbordende Don Quichote-Variation nun tatsächlich ins Kino!
Ein paar Schrifttafeln stehen diesem Film voran bei seiner Vorführung in Cannes. Die erste ist ein rechtlicher Disclaimer und heißt in etwa: Dass der Film in Cannes laufe, sei noch keine Vorentscheidung im Rechtsstreit darum, wem er gehöre. Der Saal lacht. Die Texte danach sind schon Teil des Films und versuchen, den Erwartungsdruck ein bisschen zu mindern: „And now … after more than 25 years in the making … and the unmaking … a Terry Gilliam film.“ Und dann das: Der Film ist weder eine Katastrophe noch ein Meisterwerk, sondern ein Stück Kino, dem man ganz einfach sein Alter ansieht.
Es war abzusehen, dass der Dokumentarfilm Lost in La Mancha (2002) von Keith Fulton und Louis Pepe über die gescheiterten Dreharbeiten im Herbst 2000 an Dramatik und metaphorischer Komik durch den fertigen Film von Gilliam nicht mehr zu übertreffen sein würde. Der Schrecken, die Verzweiflung, das Scheitern waren von Anfang an sinnbildlich für den Roman von Miguel de Cervantes, den Gilliam unbedingt und schon seit Jahren hatte frei adaptieren wollen. Einnehmend waren sie und zeitlos bleiben die Hinter-den-Kulissen-Aufnahmen von einst.
The Man Who Killed Don Quixote ist ein merkwürdiger Abenteuerfilm, der ständig die Ebenen wechselt: Don Quijote (Jonathan Pryce) ist ein alter Mann, der bei Tobys Abschlussfilm an der Filmhochschule mitgespielt hat und sich seither einbildet, der wirkliche Don Quijote zu sein. Toby ist für einen Werbefilmdreh zurückgekommen in die spanische Provinz, in der er einst seine Laiendarsteller fand, und hat eine kleine, eitle Schaffenskrise, die ihn auf der Suche nach Inspiration zurück ins Bergdorf führt. In Form von kleinen Wahrnehmungs-Kapseln wechseln sich Rückblenden, Gegenwart und Fantasie ab,
Zunächst ist klar, dass der verwirrte alte Mann nur das ist, doch nach und nach will der Film die Grenzen zwischen Traum und Wirklichkeit verschwimmen lassen. Don Quijote sieht in dem zynisch-desinteressierten Toby seinen Helfer Sancho Panza. Das ist der entscheidende Twist von Terry Gilliams Film: Auch der junge Mann aus der Gegenwart soll sich hineinversetzen in den Traum einer anderen Welt und den Kampf zur Befreiung der Angebeteten.
Gilliam und seine Vorstellungen vom Kino mögen ihre besten Tage hinter sich haben und die Visionen des Künstlers noch weniger zum Glauben inspirieren als einst, der Film weiß das aber sehr wohl. Dieses Bröckeln einer früheren Weltwahrnehmung ist tatsächlich sein visueller und erzählerischer Kern. Der ganze Zwiespalt, den die Erfahrung der wiederholt stockenden Dramaturgie und der nur halb geglückten Effekte produziert, gehört deshalb auch zum Erlebnis vom Mythos Don Quijote. Ein bisschen Mitleid muss sein.
Land/Jahr: 
SP/POR/GB 2018
Länge:
133 Min.
Regie:
Terry Gilliam
Darsteller:
Adam Driver, Jonathan Pryce, Stellan Skarsgård
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