Kinoptikum Landshut
STILLER KAMERAD  HippoDoku
Di 14.05.  18:30
Mi 15.05.  21:00
So 19.05.  18:00
FSK 12
Ein Königreich für ein Pferd! Die eindringliche und persönliche Beobachtung einer Hippotherapie traumatisierter SoldatInnen.
Ein Fahrzeugkonvoi fährt irgendwo durch das afghanische Hinterland. Die von der Bordkamera eines Fahrzeugs gefilmte Einstellung wird eine Weile gehalten, bis plötzlich eine Straßenmine hochgeht. Die Eröffnungseinstellung will die psychische Anspannung vermitteln, die Soldat*innen in Krisengebieten erleben – und die oft einschneidende Folgen für das seelische Wohlbefinden hat. Am anderen Ende der Welt, im brandenburgischen Havelland, steht die Pferdekoppel der Therapeutin Claudia Swierczek, die schulmedizinisch austherapierten Traumapatienten eine Pferdetherapie anbietet.
Regisseur Leonhard Hollmann, der das Projekt per Crowdfunding finanziert und im Alleingang umgesetzt hat, begleitet drei traumatisierte Menschen über einen Zeitraum von eineinhalb Jahren. Oliver war drei Mal als Bundeswehrsoldat in Afghanistan und wird die Erinnerungen an brenzlige Situationen nicht los, Roman tötete ebendort einen Menschen. Die Sanitätssoldatin Mandy sah im Kosovo Massengräber und Mädchenhandel.
Konventionelle Gesprächstherapien haben Oliver, Roman und Mandy mehr oder minder erfolglos absolviert. Durch den sanften Kontakt mit den Pferden fassen die Traumatisierten neues (Selbst-)Vertrauen und emanzipieren sich stückweise von ihren Ängsten. In kurzen Interviews erklären sie die Unterschiede zu einer herkömmlichen Therapie, darunter die längere Sitzungsdauer und die als gelöster empfundene Gesprächssituation im Freien. Die Pferde lesen die Körpersprache der Menschen und spiegeln die jeweiligen Befindlichkeiten, wobei die Tiertherapie kein Gefälle zwischen Arzt und Patient kennt, das im Bundeswehrkrankenhaus schon durch die Dienstgrade besteht.
Leonhard Hollmann kommt den Protagonisten sehr nahe, ohne in die Intimität der Situationen einzugreifen. In langen, unkommentierten Einstellungen beobachtet er den Verlauf einzelner Sitzungen. Die Patienten führen die Pferde und erledigen kleinere Arbeiten rund um die Koppel, etwa das Setzen von Pfosten. Es sind kleine Schritte, die das Selbstvertrauen stabilisieren
Ab und an läuft Gitarrenmusik, zwischendurch äußern sich die Soldat*innen zum Krankheitsverlauf und der fehlenden Kostenübernahme durch die Bundeswehr, und immer wieder zeigt die Kamera die stille, oft nebelverhangene Landschaft, die ebenfalls zur Genesung beiträgt. Mit einfachen Mitteln entwickelt Leonhard Hollmann einen unaufgeregt-eindringlichen Dokumentarfilm, dem das große Vertrauen der Protagonisten zum Filmemacher deutlich anzumerken ist. (programmkino.de)
Land/Jahr: 
D 2017
Länge:
92 Min.
Regie:
Leonhard Hollmann
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