Kinoptikum Landshut
DAS GRÜNE GOLD - Dead Donkeys fear no Hyenas  KlimaZeit
Do  17.10. 20:30
Sa  19.10. 18:30
So  20.10. 11:00
FSK 0
„Luft lässt sich nicht beackern“ - Wenn Entwicklungsprogramme als Vorwand für Zwangsumsiedlungen und Rodungen im großen Stil missbraucht werden.
Fruchtbares Ackerland gilt als das neue Gold. Das grüne Gold. Weltweit wächst die kommerzielle Nachfrage nach Anbauflächen für den Weltmarkt. Eine der lukrativsten Spielflächen ist: Äthiopien. Die Regierung hofft auf riesige Exporteinnahmen, weshalb sie Millionen Hektar des begehrten Ackerlandes an milliardenschwere ausländische Investoren verpachtet. Mit Konsequenzen für die einheimische Bevölkerung: unzählige Dorfbewohner und Kleinbauern verlieren ihre Lebensgrundlage. Hinzu kommt, dass Gemeinschaften bzw. Institutionen wie die EU oder die Weltbank, an dieser Entwicklung nicht unschuldig sind. Mit ihren Entwicklungshilfe-Geldern, spielen sie den Großunternehmen die Bälle zu. Wer sich dem Landgrabbing in den Weg stellt, riskiert sein Leben.
Der Regisseur, Joakim Demmer, reiste für seinen Film immer wieder in die äthiopische Hauptstadt Addis Abeba sowie nach Gambela. Diese westlichste Region des Landes gehört zu jenen Gegenden Äthiopiens, in denen die Regierung die meisten Landflächen verpachtet. Demmer ist Schwede und studierte Regie an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin. Er arbeitet auch heute noch teilweise in seiner Heimat. Daneben ist er als Regisseur und Kameramann auch von Berlin aus tätig. Sein Debütfilm, Tod in Gibraltar (2003), brachte ihm eine Nominierung für den „First Steps Award“ ein.
„Das grüne Gold“ versinnbildlicht in nachdenklich stimmenden Bildern einen schier unfassbaren Widerspruch: den von Geldgier getriebenen Landnahmeprozess in einem Staat wie Äthiopien, in dem über die Hälfte der Bevölkerung als unterernährt gilt. Anstatt den fruchtbaren Boden den ansässigen Bauern oder Bewohnern zwecks Bewirtschaftung zur Verfügung zu stellen, verhökert die Regierung das eigene Land Stück um Stück. Es ist das großer Verdienst von Filmemacher Demmer, diese fatale Entwicklung in seiner Dokumentation ausführlich zu beleuchten und allumfassend darzustellen – inklusive der Konsequenzen. Und diese machen fassungslos. Demmer spricht mit Kleinbauern und Einheimischen, die gewaltsam von ihrem Land vertrieben wurden. Sie hatten vorher schon wenig zu leben, nun aber haben sie gar nichts mehr. In ärmlichsten Verhältnissen kämpfen sie nun ums überleben. Auch das zeigt der Film. Besonders wütend stimmt die Tatsache, dass manch ein Investor seinem erworbenen Land sowie dem darauf angebauten Getreide, wenig Beachtung schenkt. Im Film erzählt ein Landwirt, der seine Erträge der äthiopischen Bevölkerung zugute kommen lässt, von einem ausländischen Investor. Vielleicht einmal im Jahr komme er vorbei und schaue nach seinem Ackerland, sagt er.
Regisseur Demmer beweist viel Mut und Willen zur Aufklärung, wenn er mit den Verantwortlichen das Gespräch sucht, u.a. mit Vertretern der Weltbank. Auch an Regierungsmitarbeiter wagt er sich heran. Was diese Demmer gegenüber äußern und wie positiv sie das Wirken der schwerreichen Unternehmen darstellen, wirkt wie auswendig gelernt – und damit wenig überzeugend. Dass sich Demmer mit seinem Film aber auch immer wieder in erhebliche Gefahr brachte, beweist das Schicksal eines äthiopischen Umweltjournalisten, den der Regisseur lange Zeit begleitete.
Als die Regierung den investigativ arbeitenden Journalisten zwingen wollte eine Quelle offen zu legen, blieb ihm nichts andere übrig, als das Land zu verlassen. Damit macht der Film wieder einmal deutlich, dass fragwürdig operierende und gewinnorientierte Regierungen alles dafür tun, um die Wahrheit vor der Bevölkerung zu verschleiern. Und um die vierte Gewalt im Staat – die Medien – mundtot zu machen. (programmkino.de)
Land/Jahr: 
S/D/FIN 2016
Länge:
83 Min.
Regie:
Joakim Demmer
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