Kinoptikum Landshut
I AM MOTHER
Sa  09.11. 21:00
So  10.11. 18:00
Di  12.11. 21:00
FSK 12
Ein äußerst anregendes Science-Fiction-Gedankenexperiment über artifizielle Mutterliebe.
Nachdem eine Seuche das Leben auf der Erde unmöglich gemacht hat, gibt es so gut wie keine Menschen mehr. Da sie all dies nicht selbst miterlebte, bekommt Tochter (Clara Rugaard) diese und andere Fakten über die Menschheit nur über einen Roboter namens Mother mitgeteilt. Beschützt vor der Außenwelt wächst sie in einem Untergrundbunker auf, stets unter den strengen, aber fürsorglichen Augen des Roboters, der für die nicht nur Mutter, sondern auch Lehrer und Mentor ist. Als sie älter wird, beginnt sie immer mehr Fragen über das Leben „dort draußen“ zu stellen, ob es wirklich immer noch so gefährlich ist. Bevor Mother es verhindern kann, hat Tochter schon das Haupttor zur Anlage geöffnet und einer verwundeten Frau (Hilary Swank) Unterschlupf gewährt. Nachdem sich diese von ihren Verletzungen erholt hat, erzählt sie Tochter die wahre Geschichte über das Leben auf der Erde und auch darüber, dass Mother nicht ehrlich zu ihr ist, vielleicht sogar eine Gefahr für die beiden darstellt.

Schon nach den ersten Minuten von I Am Mother merkt man dem Spielfilmdebüt des Australiers Grant Sputore dessen Liebe für das Science-Fiction-Genre an. In zahlreichen Interviews zu seinem Film macht er keinen Hehl daraus, dass man durchaus Spuren von Filmen wie Alien – Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt, Terminator oder Moon in I Am Mother finden kann, manche bewusst, manche eher unbewusst. Vor allem aber konzentriert sich die von ihm und Drehbuchautor Michael Lloyd Green konzipierte Geschichte auf zentrale Eckpfeiler des Genres, wie den Umgang mit künstlicher Intelligenz, aber vor allem die philosophischen und psychologischen Implikationen menschlicher Isolation.

Auch wenn die Grundstruktur die Parallelen zu Duncan Jones‘ erstem Spielfilm offensichtlich macht, so geht Sputore einen etwas anderen Weg, wenn es um das Verhältnis von Mensch und Maschine geht. Der von Schauspieler Lukas Hawker gespielte Roboter ist von seiner Anlage her keinesfalls eine Killermaschine, wie man sie aus der Terminator-Reihe kennt. Selbst die physische Überlegenheit zu der verletzlichen Tochter oder den anderen Menschen im Film wird keinesfalls ausgespielt, sodass man als Zuschauer ein Verhältnis vermutet, bei dem der Roboter vielmehr ein Instrukteur ist, aber eben auch kein simples Gadget. Beide scheinen einander zu brauchen, essenziell für das Überleben des anderen zu sein. Doch schon sehr bald sieht man die ersten Risse innerhalb dieser Fassade.
Narrativ subtil bauen Sputore und Green eine stetig wachsende Spannung zwischen den beiden Figuren ein, die ihren Höhepunkt erreicht, sobald Hilary Swanks Charakter in diese Beziehung tritt. Die geregelten Verläufe, das Vertraute innerhalb des Untergrundbunkers wird auf einmal zu einem Gefängnis für Tochter, aus dem man sich befreien muss. Das Dilemma für sie wie für den Zuschauer bleibt jedoch aufrechterhalten, denn ohne einen wirklichen Bezugspunk, kann man nun keinem der Narrativen, dem der „Mutter“ und dem der Artgenossin, vertrauen.

In gewisser Hinsicht muss man einen Film wie I Am Mother als Coming-of-Age Geschichte begreifen. Vor allem im Spiel der Dänin Clara Rugaard merkt man diese konstante Spannung an, mehr von der Welt vor den Toren des Bunkers zu erfahren, aber sich auch nicht zu sehr aus einer gewissen Komfortzone zu befreien. Am Ende kann eine Fehlentscheidung nicht nur das Ende eines Traumes, sondern auch das Ende des eigenen Lebens zur Folge haben. Interessant ist zudem die Problematik, ob man dem Narrativ einer nicht-menschlichen „Mutter“ glauben kann, ob diese „Mutter“ tatsächlich das Beste für einen selbst im Sinn hat. Rugaards sensiblem Spiel merkt man die Tragweite dieses Fragen an und welche Konsequenzen eine Antwort für sie haben kann. (filmrezensionen.de)
Land/Jahr: 
AUS 2019
Länge:
115 Min.
Regie:
Grant Sputore
Darsteller:
Rose Byrne, Hilary Swank, Clara Rugaard
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