Kinoptikum Landshut
THEMROC  Kinoptikum unterwegs an der Rochuskapelle
Do 30.07. 
21:15 
Ein Anstreicher hat die Faxen dicke und lebt fortan als animalischer Höhlenmensch in fröhlicher Anarchie. Skandalträchtige, hemmungslose Anarcho-Kultsatire aus den wilden 70ern!
Jeden Tag die gleiche, deprimierende Monotonie. Themroc ist – laut Firmenschild – ein "fröhlicher Proletarier". Und doch ist er ganz und gar nicht glücklich. Er lebt in einer Welt, die jede Arbeit zur Berufung, die in ewig währender Fröhlichkeit und Zufriedenheit zu verrichten ist, diktiert, ohne sich um die Wünsche und Sehnsüchte des Individuums zu scheren. Anstreicher Themrocs Fassade der Kultiviertheit beginnt zu bröckeln, als er der Sekretärin seines Chefs zu lange nachstarrt. Als er zur Standpauke gebeten wird, quittiert er seinen Dienst und beginnt ein Leben als Anarcho. Zurück im Heim, mauert er sich in seinem Zimmer ein, schlägt mit dem Vorschlaghammer ein riesiges Loch in die Wand seines Zimmers um dadurch seine gesamte Einrichtung in den Hinterhof zu werfen. Er entwirft sich seine eigene, steinzeitliche Höhle, wird wieder zum Tier, kehrt die Evolution um. Weg von der regulierenden Zivilisation, weg von all den Autoritäten, hin zu einem Höhlenmenschenbewusstsein ohne Regeln, ohne Tabus und ohne Industrie. In "Themroc" geht es primär darum, wie der Titelheld auf seiner Steinzeitbühne triumphiert, aus seiner Höhle auf die zivilisierte Welt hinabblickt, die aus dem Innenhof heraus unverständig und beängstigt das Treiben des neuen Wilden beobachtet. Einige sind fasziniert von der anarchistischen Urgewalt des Mannes und sein simples, aber effektives Aufbegehren gegen Zivilisation und Sozialstaat. Die Nachbarin von Gegenüber klettert sogar hinauf in seine Höhle und schläft mit ihrem Idol. Zurück bei ihrem langweiligen Ehemann begeht sie das gleiche Ritual, wie Themroc. Sie öffnet ein Loch in der Hauswand, schmeißt ihr Hab und Gut heraus und beginnt zu leben wie eine Wilde. Aber nicht jeder kann zum Neandertaler bekehrt werden: Einer der Nachbarn poliert wie Wild sein Auto, das letzte Symbol von Kapitalismus und Zivilisation, in dem sonst chaotisch verwüsten Innenhof. Hinzukommt die Polizei, die sogar mit Waffengewalt anrückt, um dem sonderbaren Treiben entgegenzuwirken. Doch Staatsgewalt und Tränengas können Themroc nicht stoppen… Obwohl Inzest und Kannibalismus verdrehte Werte sind, für die die Figur des Themroc steht, ist er der schwarzhumorige Held dieses außergewöhnlichen Films. "Themroc" ist kein "schöner" oder erzählerischer Film, "Themroc" ist archetypisch gefilmt. Es gibt keinen Dialog in einer verständlichen Sprache. Nach Themrocs Metamorphose in ein steinzeitliches Gemüt, beherrscht eine wilde Pseudosprache: Urlaute, die nur noch aus animalischen Heulen, Bellen und Blaffen besteht. Die restlichen Dialoge sind Quatsch-französisch, die sich zwar zunächst authentisch anhören, aber keinerlei Sinn transportieren. "Themroc" ist alles andere artikuliert, sondern wild, laut und in seinen Bildern, die ständig nach etwas Sensationellem suchen, triebhaft. Bei all der Gesellschaftskritik ist Michel Piccolis Figur des Themroc mehr als nur bemerkenswert: Er ist kein Poser, der sich durch selbstgefällige Sätze als Retter der Menschheit inszeniert, sondern ein unauffälliger, langweiliger, Mann. Sein Haaransatz geht zurück, er lebt alleine bei seiner Mutter und begehrt seine eigene Schwester. Kein Held für einen Hollywoodfilm etwa, sondern die Galionsfigur für diesen kleinen Barbaren und ihres barbarischen Films. Doch so kritisch und wichtig Aussagen und Intentionen hinter "Themroc" seien, das Werk bleibt eine Satire, die einen stillen, aber effektvollen Humor hat. Der wohl eindeutigste "Witz" ist die Szene, in der Themrocs Nachbarin rasend ihre Möbel mit einem Vorschlaghammer zertrümmert, während ihr schüchterner Ehemann mit einem kleinen Schreinerhammer zaghaft auf Holz klopft. Zuschauer, die nicht mehr die gleiche Routine in Erzählweise und Optik, die uns Hollywood und seine angepasste Formalität liefert, sehen möchten, die sollten sich diesen wilden, wahnwitzigen Film ansehen. Allein Michel Piccolis pure und wilde Energie, mit der er die Leinwand füllt, ist grandios – und der Rest des Films in all seiner Gewalt, seiner Klarheit und mit seinem Biss ist absurd und verblüffend. (mitternachtskino.de) Jeden Tag der gleiche Trott: Schlecht gelaunt aufstehen, mit dem Fahrrad zur Métro, umgeben von Menschenmassen mit der Métro zur Arbeit und dort ein öder Job. Nachdem er von seinem Chef zusammengestaucht worden ist, reißt dem Anstreicher Themroc schließlich der Geduldsfaden. Er mauert die Tür seiner Pariser Wohnung zu, zerlegt mit dem Vorschlaghammer die Außenwand, zerrt sich die Klamotten vom Leib, wirft das Mobiliar auf die Straße und beginnt seine nächste Lebensphase als animalischer Höhlenmensch, der nur noch mit Urlauten kommuniziert und für den auch Inzest mit der eigenen Schwester kein Tabu mehr ist. Es dauert nicht lange, bis sein Beispiel auf immer zahlreicher werdende Bewohner der umliegenden Wohnblocks abfärbt. In kürzester Zeit gähnen überall Löcher in den Wänden, und es wird ein triebhafter Anarchismus gelebt. Irgendwann rückt wegen dieser Verhältnisse die Polizei an. Doch selbst Staatsgewalt und Tränengas können dem Treiben keinen Einhalt gebieten. Zwei Polizisten landen auf dem Bratspieß und werden anschließend verspeist. Schließlich stöhnt und grunzt es überall in Paris... Zuschauer, die nicht mehr die ewig gleiche Routine in Erzählweise und Optik, die uns Hollywood und seine angepasste Formalität liefert, sehen möchten, die sollten sich diesen wilden, wahnwitzigen Film ansehen. Allein Michel Piccolis pure und wilde Energie, mit der er die Leinwand füllt, ist grandios – und der Rest des Films in all seiner Gewalt, seiner Klarheit und mit seinem Biss ist absurd und verblüffend. "Piccoli grummelt, schreit, röhrt, grunzt, knurrt und grölt sich bewundernswert durch den sprachlosen Film und zerstört radikal sein Salonlöwen-Image." Die Zeit
Land/Jahr: 
FR 1973
Länge:
110 Min.
Regie:
Claude Faraldo
Darsteller:
Michel Piccoli, Miou-Miou, Coluche, Patrick Dewaere, Marilù Tolo, Béatrice Romand
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