Kinoptikum Landshut
MARINA ABRAMOVIC - The Artist is present  Architektur & Kunst
Di 03.01. 
19:00 
Do 05.01. 
18:00 
Fr 13.01. 
18:00 
FSK 12
Das faszinierende und hautnahe Portrait der massentauglichen Performerin und ihres umtriebigen Daseins im Dienst der Kunst
Drei Monate lang, von morgens bis abends still auf einem Holzstuhl sitzen, ständig wechselnden Gegenübern in die Augen sehen, umringt von tausenden Schaulustigen. Diese Performance stand im Mittelpunkt der großen Retrospektive, mit der 2010 die serbische Performance Künstlerin Marina Abramovic im New Yorker Museum of Modern Art geehrt wurde. Und auch Regisseur Matthew Akers stellt sie in den Mittelpunkt der zweiten Hälfte seiner Dokumentation „Marina Abramovic: The Artist is Present“, die im Panorama der diesjährigen Berlinale mit dem Publikumspreis ausgezeichnet wurde. Praktisch unbegrenzten Zugang hatte Akers zu der einen Tag nach Filmstart 65 Jahre alt werdenden Künstlerin, eine Nähe, die den Film zu einer Hommage macht.
In groben Zügen zeichnet Akers Abramovics Kindheit in Belgrad nach, ihre ersten Performances und schließlich ihren Umzug nach Amsterdam. Dort lernt sie 1976 den deutschen Künstler Uwe Laysiepen kennen, der sich Ulay nennt. Sie wurden ein Paar, im Leben und der Kunst. Es war die große Zeit der Performancekunst, als Nacktheit noch schockieren konnte, kleinste Formen der Selbstentblößung oder gar Selbstverletzung skandalisiert wurden. 1988 trennte sich das Paar, natürlich nicht einfach so, sondern auf spektakuläre Weise nach einer letzten gemeinsamen Performance: Von unterschiedlichen Enden schritten sie die Große Mauer in China ab, trafen sich in der Mitte und verabschiedeten sich.
Auch Ulay kommt im Film zu Wort, neben Kuratoren, Freunden von Abramovic und vielfältigen Bewunderern. Doch es sind die Momente mit Ulay, die zu den berührendsten des Films gehören. Ein Wiedersehen nach langer Zeit, später auch ein Gegenübersitzen während Abramovics Performance im MoMa, die andeuten, wie tief die Zuneigung der beiden Künstler einst gewesen sein muss, die die oft aggressiven, selbstentblößenden Performances erst ermöglichte.
Man könnte Akers vorwerfen, dass er nicht versucht, Abramovics Arbeit genauer zu analysieren, zu hinterfragen – auch kritisch – wo ihre Intentionen liegen, wie sich ihre Kunst im Laufe der Jahre verändert hat. Die Beschreibungen von Journalisten und Kuratoren bleiben diesbezüglich eher oberflächlich, beschreiben das Offensichtliche, die Ruhe, die Abramovic ausstrahlt, ihre Offenheit, das Partizipative ihrer Performances. Dass inzwischen durchaus zweischneidig ist: Als sich bei der „Sitzperformance“ eine Frau ihr Kleid über den Kopf zieht, um Abramovic nackt gegenüber zu sitzen, wird sie schnell von Sicherheitskräften abgeführt. Unter Tränen sagt die Frau „Ich dachte die Zuschauer seien Teil der Performance!“ Nun, offenbar nur bis zu einem bestimmten Grad. Wie sehr Abramovic inzwischen zum Medienstar geworden ist zeigt die Existenz dieser Dokumentation, aber auch Besuche von Hollywoodgrößen wie Jeff Franco oder Orlando Bloom, die sich während der MoMa-Schau blicken ließen.
Doch diese Popularität, die 750.000 Besucher ihrer Ausstellung, die langen Schlangen, kann man Abramovic schwerlich vorwerfen. Während Akers seine Begeisterung für sein Objekt kaum verhehlen kann, bleibt Abramomic selbst zurückhaltend, bescheiden. Sie strahlt in jedem Moment die innere Ruhe aus, die es ihr überhaupt erst ermöglicht, drei Monate lang stundenlang auf einem Stuhl zu sitzen. Die tieferen Beweggründe ihrer Arbeit hat zwar auch diese Dokumentation nur angedeutet, einen spannenden Einblick in das Leben einer faszinierenden Frau ist Matthew Akers „Marina Abramovic: The Artist is Present“ in jedem Fall. (programmkino.de)
Land/Jahr: 
USA 2012
Länge:
106 Min.
Regie:
Matthew Akers
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