Kinoptikum Landshut
HAGAZUSSA - DER HEXENFLUCH  Heimatkino
 Do 12.07. 
 Fr 13.07. 
 Sa 14.07. 
 So 15.07. 
21:00
20:00
18:30
20:30
Beklemmend und meisterlich inszenierte Schauermaer von Hexenwahn und Aberglauben, irgendwo in den österreichischen Alpen.
Das 15. Jahrhundert. Der kalte Winter breitet sich über der Alpenlandschaft aus. In einer abgeschiedenen Berghütte lebt die junge Ziegenhirtin Albrun mit ihrer Mutter. Als diese unerwartet einer Krankheit erliegt, bleibt die Tochter alleine und traumatisiert zurück. 20 Jahre vergehen, Albrun wird selbst Mutter. Von der Dorfgemeinschaft als Heidin und Hexe ausgegrenzt beginnt Albrun eine finstere Präsenz wahrzunehmen, die in den dunklen Wäldern auf sie wartet. Angst, Alptraum und die Grenzen der Realität beginnen zu verschmelzen, bis sie schließlich mit ihrem Wahn und dem Bösen in sich selbst konfrontiert wird. HAGAZUSSA ist die dunkle Sage einer Frau und ihres Kampfs um den eigenen Verstand. In einer Zeit, in der heidnischer Glaube an Hexen und Naturgeister Angst und Schrecken in den Köpfen des bäuerlichen Volks verbreitete, erforscht HAGAZUSSA den schmalen Grat zwischen altertümlicher Magie, Glaube und Wahn. In vier Kapitel mit den Überschriften „Schatten“, „Horn“, „Blut“ und „Feuer“ eingeteilt, erzählt Lukas Feigelfeld in seinem beeindruckenden Erstlingsfilm eher fragmentarisch und assoziativ, mit dröhnendem Score und hypnotisch verschleppten Bildern die Geschichte einer Ausgrenzung. Mutig ist die Verortung des Films nicht nur wegen der Gestaltung, die immer wieder repetitive Momente und Loops einbaut, die vom imposanten Soundtrack aufgenommen und variiert werden, sondern auch, weil der Film auf einem schmalen Grat zwischen Psychodrama und Horrorfilm balanciert und damit tendenziell Erwartungen unterläuft. Zwar gibt es immer wieder explizite Schockmomente, doch diese sind sehr spärlich eingesetzt und bilden keinesfalls die Quintessenz eines Filmes, der stellenweise an Werke von großen Meistern des Kinos wie Andrej Tarkowskij und Bela Tarr erinnert. Die drastischen Momente zeichnen sich zudem vor allem dadurch aus, dass sie keinen von außen kommenden Horror schildern, sondern vielmehr bildmächtige Symbole dessen sind, was in Albrun vor sich geht, es sind Somatisierungen von Geisteszuständen, Externalisierungen von Wahnvorstellungen und sichtbare Spuren eines langsamen geistigen Verfalls. Überhaupt ist Hagazussa ein überaus körperlicher Film: Blut und Innereien, Kotze und Pestgeschwüre bilden einen Angriff auf den Zuschauer, der von den teilweise sehr nahen und kargen Bildern und dem Dröhnen des Soundtracks unterstützt wird. Lukas Feigelfeld erzählt nicht nur von Körpern – auch sozialen –, sondern auch mit ihnen und gegen sie. Sein Film ist in vielerlei Hinsicht ein Frontalangriff: auf die Sinne, die Erwartungen des Zuschauers und nicht zuletzt auf unsere Empathie und unser Gerechtigkeitsempfinden: Am Ende wird Albrun wie in einer self-fulfilling prophecy all das erfüllen, was man ihr zuvor nachsagte: Sie wird ein Kind töten, eine Seuche verursachen und im Feuer enden. Welch bittere Volte, welch trauriges Schicksal. (kino-zeit.de)
Land/Jahr: 
D/Ö 2018
Regie:
Lukas Feigelfeld
Darsteller:
Aleksandra Cwen, Claudia Martini
Länge:
102 Min.
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