BONNIE - EINE MÜNCHNER KOMÖDIE
Eine handgemachte Action-Komödie aus der Landeshauptstadt, am 6.11. besucht uns die Filmcrew
D 2026, 102 Min.
Regie: Mark Lohr
mit Corinna Blädel, Lea Liebhart, Dirk Schepanek
am Fr., den 6.11.: Mit Besuch der Regie
Hannah (Corinna Blädel) hetzt durch München. Ohne Ziel und Verstand. In ihrem Rucksack tickt eine Bombe, die sie loswerden will. Ihre ehemals beste Freundin Layla (Lea Liebhart) radelt Hannah hinterher, bevor sie ihren fahrbaren Untersatz am Eingang zum Englischen Garten gegen die eigenen Füße eintauscht. Den beiden dicht auf den Fersen sind zwei Kriminalpolizisten, der eine übermotiviert, der andere tiefenentspannt. Dass sich der Film bei aller aufgebotenen Action nicht allzu ernst nimmt, beweist ein im Park platzierter Running Gag. Alle drei Parteien, Hannah, Layla und die Cops, stoßen bei ihrer Verfolgungsjagd versehentlich eine Bierflasche um, was deren Besitzer zur Weißglut treibt.
Ginge es nach Hannah, geschähe es dem Parkbesucher gerade recht, denn er trinkt ein Alkoholfreies. Und das hat in Hannahs Welt keinen Platz. Die Ex-Frontfrau der Rockband Lacke Plörre kippt sich nur Gerstensaft mit Prozenten hinter die Binde. Und zwar so oft und viel, dass sie darüber ihren Job als Kellnerin in einem Biergarten verliert. Als sie mit ihrer Band noch jeden Abend die Musikkneipe Bonham, von allen nur „Bonnie“ genannt, zum Kochen brachte, war der Bandname Programm. Keine halben Sachen! Wer ein Bier anfängt, der muss es auch austrinken, egal ob es frisch oder schon „lacke Plörre“, also schal und abgestanden ist.
Doch diese Zeiten sind vorbei. Ein tragischer Unfall riss das Trio, bestehend aus Hannah hinter dem Mikro, Layla am Schlagzeug und Rosi (Eva Maria Hamm) an der Gitarre, auseinander. Während Layla nach vorn blickte, steckt Hannah in alten Gewohnheiten fest. Die eine arbeitet inzwischen in einem Bio-Supermarkt, achtet auf ihre Gesundheit und hat einen Verlobten, die andere trauert weiterhin jeden Abend im „Bonnie“ bis zur Sperrstunde im Morgengrauen der Vergangenheit nach. Die mysteriöse Entführung von Laylas Verlobtem Emilio (Timo Gastager) führt die entfremdeten Freundinnen wieder zueinander – und Layla zugleich vor Augen, wie sehr auch sie ein bisschen mehr Action in ihrem biederen Leben gebrauchen könnte.
Bonnie – Eine Münchner Action-Komödie ist der vierte abendfüllende Spielfilm des Regisseurs Mark Lohr, der zuletzt mit dem bayerischen Western Hopfen, Malz und Blei (2020) überraschte. Schon dieser war eine Mischung aus Parodie und Hommage, der die Liebe zum Genrefilm anzumerken war. Wie so viele Filmschaffende haben auch die drei Teammitglieder der hinter Lohrs Filmen stehenden Produktionsfirma Slamming Sheep Film, Produzent und Regisseur Mark Lohr, Produzentin und Schauspielerin Corinna Blädel und Produzent und Komponist Johannes Rauscher, irgendwann im elterlichen Garten angefangen. Dort habe man „große Vorbilder, wie Terminator und James Bond […] nachgedreht“, ist auf der Homepage der Produktionsfirma zu lesen. Und an kreativen Einfällen, um diese großen Vorbilder mit geringen Mitteln möglichst ansehnlich nachzuahmen, mangelt es dem Team nicht. Woran es fehlt, ist erzählerischer Drive.
Zwar treibt Rauschers Musik, die das Geschehen genüsslich kommentiert, die Handlung gelungen voran. Bis der eigentliche Krimi-Plot und mit ihm die Action aber überhaupt einsetzen, verstreicht viel zu viel Zeit. Das vom Regisseur selbst verfasste Drehbuch nutzt sie, um die Vorgeschichte der Rockband allzu ausführlich und umständlich nachzuerzählen. Wodurch zwei verschiedene Filme entstehen, die nicht zueinander passen wollen: ein Musikdrama und ein Actionthriller. Fast scheint es so, als hätte sich Lohr nicht recht entscheiden können, welchen Film er drehen wollte. Zusammengehalten werden sie durch die Freundschaft im Zentrum der Handlung und den Humor, der in seinen schlechtesten Momenten nicht über platten Slapstick hinauskommt und in seinen besten durch trockene Pointen glänzt. Vor allem Max Joseph Held als relaxter Kriminalbeamter stiehlt mit seinem lakonischen Spiel ein ums andere Mal die Schau.
Wer auf Genrekino steht, in das literweise Herzblut geflossen ist, macht mit Bonnie nichts falsch. Am Ende hätte sich Lohr das Motto seiner Protagonistinnen, „Keine halben Sachen!“, aber selbst etwas mehr zu Herzen nehmen sollen. (kino-zeit.de)