Kinoptikum Landshut
ONE CUT OF THE DEAD - Kamera o tomeru na!  Cinema Obscure OmU
Fr  25.10. 20:00
Sa  26.10. 21:00
So  27.10. 18:00
FSK 16
Der Low-Budget-Megahit aus Japan, ein echtes Zombie-Juwel und eine regelrechte Wundertüte
Zombies auf dem Zombiefilmset und herumliegende Reflexionen: Shinichiro Uedas Debütfilm "One Cut of the Dead" ist nicht nur Mediensatire, sondern vor allem ein Wohlfühlfilm mit viel Blut und Erbrochenem, der alleine durch Mund-zu-Mund-Propaganda in Japan zum Megahit wurde.
Wenn der Abspann läuft, dann sehen wir ein knappes Making-of der 37-minütigen Plansequenz, die den Auftakt dieses Studentenfilms bildet. Der Fokus wird dabei voller Stolz auf das Können und den Wahnwitz gelegt, die benötigt wurden, um diese umzusetzen. Ferner wird auf eine Realität außerhalb des Films verwiesen. Wären hingegen Bilder der Entstehung des Restes des Films zu sehen, dann würde wir uns einer M.C. Escher-Dimension annähern. Denn dann würde One Cut of the Dead ein Film sein, in dem es einen Film im Film im Film im Film gäbe und einen Kameramann, der hinter dem Kameramann stünde, der wiederum hinter einem Kameramann stehen würde, den wir durch die Linse eines Kameramanns sähen, der sich hinter allen zusammen befände.
Entdeckungen auf den Metaebenen
Dass genau das nicht passiert, sagt etwas Zentrales über diese Zombiekomödie und Mediensatire aus. Gegen Ende ist eine Produzentin zu sehen, die sich von der gerade gesehenen Plansequenz – vom Film One Cut of the Dead im Film One Cut of the Dead – begeistert zeigt, während andere Zuschauer der Erstaufführung sich nicht ganz so sicher sind, was sie da gerade gesehen haben. Hier liegen angedeutete Reflexionen über kritischen und unkritischen Filmkonsum herum, über die Selbstbesoffenheit so manches Kreativen oder das fantastische Blendwerk Film. Die tatsächlich entstehende Metaebene wird jedoch nur nebenbei dafür genutzt, tiefliegende Wahrheiten zu schöpfen oder abstraktes Wunderwerk zu erschaffen. Vor allem ist sie da, um zu überraschen und um Entdeckungen machen zu lassen.
Am ehesten findet sich hier noch eine Liebeserklärung an die Hingabe. Denn wir sehen diverse Filmemacher und Schauspieler, die etwas zu überzogen in der Fiktion aufgehen. Doch das durch sie entstehende Chaos scheint nicht nur dem Film einen eigentümlichen Charakter zu geben, sondern – darauf besteht der eine Film mehr, der andere weniger – Zusammenhalt zu generieren. Die Qual, die es mitunter ist, etwas gemeinsam zu erschaffen, der Quatsch, der es ist, einen Film wie One Cut of the Dead zu drehen, sie sind voller unwägbarer Unannehmlichkeiten, aber das Ergebnis wird den Beteiligten das erhebende Gefühl geben, etwas gemeinsam erreicht zu haben.
Auf einmal ein Familienfilm
In den ersten 37 Minuten wird die Geschichte eines Filmteams erzählt, das während des Drehs eines Zombiefilms von Zombies angefallen wird. Wie aus dem Nichts taucht der Kameramann während einer Drehpause verwandelt auf und fällt den Gaffer an. Schnell wird klar, dass der Regisseur einen Fluch, der vermeintlich auf dem Drehort liegt, beschworen haben muss, um durch den Real Deal mehr Authentizität in sein Werk zu bringen. Für die Hauptdarsteller und die Maskenbildnerin entsteht so ein zuweilen absurder und blutiger Spießrutenlauf durch Zombies und einen fanatischen Regisseur, der die Situation zu genießen scheint. Auf die Plansequenz folgt ein Sprung um einen Monat zurück und es wird erzählt, wie es zu all dem kam. Auf die launige Zombiekomödie, der ihre Limitierungen anzusehen sind, die aber deshalb nicht weniger vergnüglich ist, folgt ein etwas eigenwilliger Familien- und Selbstermächtigungsfilm, der vor allem eine neue Perspektive auf den gerade gesehenen Film im Film wirft. Da der größte Spaß hier gerade darin liegt, wie diese Perspektivverschiebung genau aussieht, soll sie über die bereits gemachten knappen Anmerkungen verschwiegen werden.
Ein Film, wie er sympathischer kaum sein kann
Kein dunkler Lord wird hier einem blonden Helden gestehen, dass er sein Vater ist. Es gibt keinen Abschied von Helden, die wir elf Jahre begleitet haben. Und es werden auch keine Cliffhanger aufgelöst. Kurz: Es werden mit dem Verschweigen keine Spoiler von persönlichsten Erlebnissen vermieden, die ja eh nichts über die Qualität des Films sagen, sondern solche, die die zentrale Wirkung des Films betreffen. Ein Großteil der Pointen und Absurditäten der zweiten Hälfte werden gerade durch Überraschung erzeugt. Mehrmalige Sichtungen werden mutmaßlich mehr Details offenlegen, aber der Witz, von dem One Cut of the Dead lebt, wird ein anderer sein.
Selbstredend ist all dies eine Fiktion des Autors, der den Film unvorbereitet gesehen hat und nun meint, dies sei der beste Weg, ihn zu sehen. One Cut of the Dead mag nicht der bedeutendste Film sein, aber einer, der sich durch seine kreativen Einfälle, seine sich ins Absurde verlierenden Figuren und einen liebenswerten Spaß auszeichnet. Er ist bei allem Blut und erbrochenen Körperflüssigkeiten vor allem ein Wohlfühlfilm, wie er sympathischer kaum sein kann (critic.de).
Land/Jahr: 
JAP 2017
Länge:
96 Min.
Regie:
Shin'ichirô Ueda
Darsteller:
Yuzuki Akiyama, Takayuki Hamatsu, Kazuaki Nagaya
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