Kinoptikum Landshut
JACKIE BROWN  Die Zelluloid-Kinemathek
Do  07.11. 21:00
Fr  08.11. 20:00
FSK 16
Tarantinos großartige Verbeugung vor Blaxploitation-Ikone Pam Grier – im Gedenken an Robert Forster
Die Geschichte ist schnell erzählt, sie ist nur Nebensache und Anlaß für anderes."Rum Punch" heißt Elmore Leonards Roman im Original, das dem Drehbuch zugrundeliegt. Es geht um eine Stewardeß in der Zwickmühle. Weil Jackie Brown dabei erwischt wurde, wie sie für ihren Exfreund, den Waffenhändler Ordell Geld schmuggelt, muß sie nun diesen, ein paar seiner Gangsterkumpels, und die Polizei gegeneinander ausspielen, um zu überleben, und sich selbst eine zweite Chance zu geben. Jackie Brown ist ein ruhiger Film. Ein langsamer, der sich Zeit nimmt, und viel Liebe auf Details verwendet. Atmosphärische Stimmigkeit ist das Ziel, und dies verlangt, daß Sound, Schauspieler und Tempo in rhythmischen Gleichklang kommen. Etwa wenn der Kautionsanwalt Max Cherry (Robert Forster) seine Klientin Jackie Brown zum ersten Mal sieht, als sie aus dem Gefängnis entlassen wird, erzählt Tarantino dies allein mit Bildern, die so präzise sind, daß sie alles sagen. Auch in anderen Momenten sitzt jeder Schnitt, und wir Zuschauer lernen, daß beim Film, wie beim Verbrechen, das richtige Timing einfach alles ist. Vor allem ist dies aber ein Schauspieler-Film. Und Tarantino – das zeigt Jackie Brown so eindeutig wie bisher keiner seiner Filme – ist ein Schauspieler-Regisseur. Eigentlich müßten sie alle vor ihm auf den Knien rutschen, weil er sie so offensichtlich lieb hat, weil er ihnen die Chance gibt, sich genüßlich auszuleben vor der Kamera. Den vielleicht schönsten Part hat Robert de Niro, der einen lahmarschigen Ex-Knacki spielt, der mit der schnellen Gegenwart aus Fernbedienung, Handy und automatischen Türöffnern nicht zurechtkommt. Und dann natürlich die furios wiederauferstandene Pam Grier, ein fast vergessener 70er Jahre-Zombie, die mit fast 50 in der Titelrolle lebendiger wirkt, denn je. Natürlich ist Jackie Brown trotz alldem ein echter Tarantino-Film. Es gibt auch hier kurze, unvermittelte Gewaltexzesse, es gibt die Brüche gewohnter Erzählmuster, es gibt Genre-Mischmasch und eine allem zugrundeliegende Ironie. All das ist sehr gut so, sonst wäre die Nostalgie, die durch diesen Film streicht, gar zu versöhnlich, die Ruhe gar zu langsam, und die Geschichte gar zu konventionell. Aber sichtlich geht es um Anderes. Tarantino zeigt, daß er mehr ist, als ein verspielter Provokateur und zitatengeiles Pseudogenie, das zuviele B-Movies gesehen hat. Mehr als zuvor erkennt man, daß hier einer letztlich Klassizität will, oder wie er selbst sagt: "Kino für die nächsten 40 Jahre machen". (artechock, 1998)
Land/Jahr: 
USA 1997
Länge:
142 Min.
Regie:
Quentin Tarantino
Darsteller:
Pam Grier, Robert de Niro, Samuel L. Jackson, Robert Forster, Bridget Fonda
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