Kinoptikum Landshut
DAS GLÜCKSRAD - Wheel of Fortune and Fantasy
So 08.01. 
19:00 
Mi 11.01. 
19:00 
Sa 14.01. 
18:00 
Mo 16.01. 
19:00 
FSK 12
Der Jury-Preisträger der Berlinale: Ein leise hingetupftes Film-Triptychon vom ewigen Kreislauf des Lebens und dessen Merkwürdigkeiten
In der ersten Episode mit dem Titel „Magie (oder etwas weniger Verlässliches)“ wird das Model Meiko mit ihrer besten Freundin Tsugumi nach einem langen Arbeitstag nach Hause gefahren. Tsugumi schwärmt während der Fahrt von ihrem neuesten Date, und Meiko muss feststellen, dass es sich bei Tsugumis neuer Affäre um Meikos ehemaligen Liebsten handelt. Sie sucht ihn sofort auf, angetrieben von Neugier und einer Spur Eifersucht. Die zweite Geschichte „Bei offener Tür“ handelt von der verheirateten Studentin Nao, die sich von ihrem jungen Lover Sasaki dazu bringen lässt, einen Professor, der Sasaki sehr geschadet hat, zu verführen, um ihn bloßzustellen. Doch dann läuft alles ganz anders, als sie geplant hat. In der letzten Geschichte – „Noch einmal“ – trifft Moka auf Nana, die sie mit einer anderen Frau verwechselt. Nana lässt sich dennoch auf ein Gespräch ein, das immer offener und intimer wird. Drei Episoden, drei kleine Geschichten über Frauen: mal selbstbewusst, mal frech, zurückhaltend oder angepasst, offen oder verschlossen.
Es geht viel um Konventionen in diesem Film, der einen feinen literarischen Charme und noch mehr filmische Poesie entwickelt, obwohl er in jeder Beziehung von Understatement zeugt. Der Autor mischt im liebevollen Umgang mit seinen Charakteren kunstgerecht die dialogische Gefühlsakrobatik eines Eric Rohmer mit der japanischen Moderne in all ihrer minimalistischen Zurückhaltung. Die traditionellen Verhaltensmuster sind immer noch vorhanden. Da spricht der Professor mit der Studentin, ohne sie anzusehen, und die Höflichkeit im Umgang mit den Menschen scheint sogar Lügen zu erlauben: In der dritten Episode merkt Moka sofort, dass sie aufgrund einer Verwechslung von Nana angesprochen wird, macht sie aber nicht darauf aufmerksam. Wie bei Rohmer geht es immer um die Liebe, in vielen unterschiedlichen Facetten. Manches wirkt dabei wie verschlüsselt – Hamaguchi ist ein Meister der Anspielung, er spielt mit Erwartungen, öffnet neue Schauplätze, die ihn wenig später nicht mehr zu interessieren scheinen. Für die letzte Episode entwirft er eine Art Science-Fiction-Story in Form eines Computervirus, der die Welt komplett offline macht und in eine große Ungewissheit gestürzt hat. Das ist eine sinnige und irgendwie witzige Anspielung auf Covid 19, die aber für die Geschichte an sich überhaupt keine Rolle spielt. Die überschaubare Besetzung erinnert an ein Kammerspiel in drei Aufzügen, ebenso die sparsamen Schauplätze – es gibt nur wenige Drehorte. Die Kamera von Yukiko Iioka schafft einfache, klare Bilder, oft in sanften Erdtönen. Viele Dialoge starten in einer beinahe schwebenden Leichtigkeit, doch dahinter verbergen sich gelegentlich auch ausgefuchste Gemeinheiten: In der ersten Episode umkreisen sich Meiko und ihr Ex Kazu erst verbal und dann mit wachsender Verbissenheit. Hamaguchi experimentiert mit Handlungen, bietet schon mal mehrere Variationen zum selben Thema, und nicht nur dadurch erhält der Film eine wunderbar verspielte Atmosphäre, die noch unterstützt wird durch Klaviersoli mit Werken von Robert Schumann. Das Leben der Menschen in Hamaguchis Film wird von Zufällen bestimmt, die Gutes und Schlechtes bringen, aber insgesamt den Alltag würzen.
(programmkino.de)
Land/Jahr: 
JAP 2021
Länge:
121 Min.
Regie:
Ryusuke Hamaguchi
Darsteller:
Kotone Furukawa, Kiyohiko Shibukawa, Katsuki Mori
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